Beitrag von unserer Bloggerin Luise Steininger
Interview mit Florian Aigner und Martin Moder
Wir führen dieses Interview anlässlich ihres Auftritts beim Klima- und Umweltfilm Festival in Baden 2026.
Gleich startet Ihre Show „Der Urknall war 1 Fehler“. Einfach gefragt: Warum machen Sie das?
Ich meine, Sie sind Physiker (Florian Aigner) und Molekularbiologe (Martin Moder): Man verbindet Wissenschaftler eher mit der Arbeit in Laboren, der Publizierung von wissenschaftlichen Studien in angesehenen Papers, vielleicht noch mit der Berufsgruppe der Lehrenden an internationalen Universitäten.
Warum wählen Sie diese humoristische Art der Kommunikation?
Florian Aigner:
Wir wählen ja viele unterschiedliche Arten der Kommunikation. Jede hat ihre Berechtigung. Und heute Abend wollen wir eben gemeinsam mit dem Publikum Spaß haben. Sich über kluge wissenschaftliche Fakten Gedanken machen und gemeinsam zu lachen – das widerspricht sich nicht, das passt hervorragend zusammen.
Martin Moder:
Gute Information wird nicht weniger spannend, wenn man sie unterhaltsam gestaltet. Forschungsarbeiten wirken trocken, weil sie in möglichst kompakter Form viel Information vermitteln müssen. Für Humor bleibt da wenig Spielraum. Auf einer Bühne hat man diesen Zeitdruck nicht und kann sich austoben. Hätten Forschungsartikel am Ende einen Abschnitt für den unterhaltsamsten naturwissenschaftlichen Witze, würden Forschende das dankend annehmen.
Trotz eindeutiger, wissenschaftlicher Erkenntnisse gibt es nach wie vor Menschen, die diesbezüglich skeptisch sind und z.B. die Fakten rund um den menschgemachten Klimawandel nicht glauben. Wie kann man diesen Menschen, Ihrer Meinung nach, begegnen bzw. diese ansprechen? Wie schafft man es, dass diese Personen in die Wissenschaft vertrauen?
Florian Aigner:
Wenn wir dafür das durchschlagende Patentrezept hätten, dann wären wir wohl weltberühmt. Es ist eine schwierige Aufgabe. Wir müssen Vertrauen schaffen – am besten, indem man Wissenschaft nicht von oben herab verkündet, sondern immer und immer wieder ganz ehrlich darüber redet, was die Wissenschaft heute alles weiß, und was sie noch nicht weiß. Genau das versuchen wir.
Martin Moder:
Wer heutzutage den Klimawandel leugnet, hat bereits bewiesen, dass er sich von Wissenschaft und Fakten nicht beeindrucken lässt. Da geht es um Ideologie und dieses Gefühl der Erhabenheit, wenn man glaubt, etwas zu durchblicken, das einem „die da oben“ einreden wollen. Man muss akzeptieren, dass manche Leute schon vor zu langer Zeit falsch abgebogen sind und sollte darauf achten, dass sie nicht noch mehr Leute in ihren Sumpf ziehen.
Nachhaltigkeit ist heute in aller Munde – gleichzeitig wird vieles als „nachhaltig“ beworben, obwohl es bei genauerem Hinsehen vielleicht gar nicht so nachhaltig ist. Welche Tipps haben Sie für unsere Leserinnen und Leser, um echte Nachhaltigkeit von Greenwashing zu unterscheiden? Und welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit in Ihrem persönlichen Alltag?
Florian Aigner:
Ich glaube, wichtig ist zu verstehen, dass Nachhaltigkeit nicht einfach bedeutet, dass jeder Einzelne ein bisschen verzichtet. Das kann manchmal nützlich sein, aber es löst keine großen Probleme. Um eine nachhaltige Welt zu schaffen, müssen wir uns dafür einsetzen, dass die großen Spielregeln geändert werden. Natürlich ist es schön, wenn jemand mit der Bahn fährt, anstatt sich ins Flugzeug zu setzen. Aber vielleicht ist es noch wichtiger, mal dafür auf die Straße zu gehen, dass wir alle gemeinsam ein umweltfreundlicheres Transportnetz bekommen, in dem man schnell und günstig überall hinkommt, wo man hinwill – und zwar auf umweltschonende Weise.
Martin Moder:
Da möchte ich mich Florian anschließen. Nachhaltigkeit gelingt nicht, indem man Menschen ständig sagt: „Wähle die teurere, umständlichere Option“, sondern indem man die nachhaltigen Optionen so gestaltet, dass niemand der bei Verstand ist auf die Idee kommt, es anders machen zu wollen. Natürlich ist es sinnvoll, seinen Beitrag zu leisten, wo es einem gelingt. Aber der wichtigste Beitrag ist, Entscheidungsträgern klar zu machen, dass, wenn ihnen Nachhaltigkeit egal ist, sie nicht lange entscheidungstragend sein werden.
Sie haben beide zahlreiche Preise für ihre Wissenschaftskommunikation bekommen. Was bedeuten diese Preise für Sie persönlich und welchen davon würden Sie unter keinen Umständen zurückgeben wollen?
Florian Aigner:
Preise sind immer schön, aber nie die Hauptsache. Was mich immer am meisten freut, ist wenn Leute mich darauf ansprechen, dass ich in ihnen oder in ihren Kindern etwas ausgelöst habe. Wenn jemand kommt und sagt: „Ich habe Ihr Buch gelesen, und jetzt will ich Physik studieren!“ dann ist das eigentlich viel großartiger als ein Preis.
Martin Moder:
Ich war jedes Mal sehr überrascht, weil ein Großteil meiner Arbeit alleine vor dem Bildschirm stattfindet und mir solche Preise vor Augen führen: „Oh wow, es gibt seriöse Erwachsene, die mein Zeug sehen / lesen und auch noch sehr gut finden?!“. Zurückgeben möchte ich keinen davon, aber am meisten freue ich mich natürlich über die dotierten, lol.
Kurz Nachgefragt:
- In meinem Kühlschrank fehlt nie:
Florian Aigner: Oliven
Martin Moder: Schimmel - Die seltsamste wissenschaftliche Erkenntnis, die tatsächlich stimmt:
Florian Aigner: Ratten lachen, wenn man sie kitzelt. Nur hat das Lachen eine so hohe Frequenz, dass wir Menschen es nicht hören können.
Martin Moder: Von allen Spezies sind wir die intelligenteste. - Meine Lieblingsjahreszeit:
Florian Aigner: Ganz klar: Frühling
Martin Moder: Die ersten 2 Wochen des Sommers - Die größte Stolperfalle für meinen persönlichen nachhaltigen Lebensstil:
Florian Aigner: Das fehlende europäische Hochgeschwindigkeits-Bahnnetz, das mich immer wieder mal ins Flugzeug zwingt.
Martin Moder: Die Schönheit Islands - Folgende drei Dinge möchte ich in meinem Leben noch erleben oder erreichen:
Florian Aigner: Sagen zu können: „Schaut her, jetzt haben wir die Energiewende geschafft! Und ihr habt alle gedacht, es sei unmöglich!“
Martin Moder: 1) Mondstation 2) KI löst alle Probleme 3) KI bringt uns nicht alle um
- Mein letzter Prompt an eine KI:
Florian Aigner: Eine kurze Hintergrundrecherche über den Physik-Nobelpreis
Martin Moder: Aktualisiere folgendes Steuerformular - Erholung finde ich bei:
Florian Aigner: Am Klavier
Martin Moder: Crimson Desert - Mein Berufswusch als Kind:
Florian Aigner: Kunstmaler
Martin Moder: Astronaut / Polizist / Dinosaurier Forscher - Spannend fände ich ein Gespräch mit:
Florian Aigner: Albert Einstein
Martin Moder: Einer KI aus 2040 - Meine wichtigste Botschaft an alle, die ihren Lebensstil nachhaltiger gestalten wollen:
Florian Aigner: Fordert von der Politik, euch genau dieses Ziel zu ermöglichen. Unter den bestehenden Gegebenheiten ist nachhaltiges Leben nämlich einfach nicht möglich.
Martin Moder: Wählt keine Idioten die das Gegenteil fordern.
Aktualisiert am 08.10.2026