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Interview mit Mag. Marcus Wadsak

Beitrag von unserer Bloggerin Luise Steininger

Österreichs wohl bekanntester Wetterfrosch – Marcus Wadsak zwischen Klima-Fakten & Fake

Marcus Wadsak, Int. Wettergipfel 2022 Region Innsbruck - Award Abend

Österreich bekanntester Meteorologe Marcus Wadsak – erklärt uns im Interview

  • wie Gewitter und sein Opa mit seiner Berufswahl zusammenhängen,
  • warum wir die letzte Generation sind, die unser Klima noch stabilisieren kann
  • und warum ein neu erschlossenes Gasfeld in Niederösterreich kein Widerspruch zur Energiewende ist.

Außerdem erfahren wir warum sich die Bevölkerung über Mut zur Veränderung freuen kann und woher sein optimistischer Blick in die Zukunft kommt.

Du hast Meteorologie studiert, moderierst seit 2004 das ZIB-Wetter und engagierst dich für Klimaschutz. Woher stammen dein Interesse und deine Faszination an den Themen Wetter und Klima?

Schlicht und einfach, weil es wirklich mein ganzes Leben bestimmt – ich bin viel in der Natur, beobachte und erlebe sie. Schon als Kind hat mich fasziniert, wie Gewitter aufziehen, Stürme toben oder Regenfälle niedergehen. Mein Opa war der Link, der mir zeigte, dass man Wetter nicht nur beobachten, sondern auch analysieren kann – wir verglichen die neuen Daten immer mit jenen aus dem Vorjahr. Seine Aufzeichnungen – leider verloren – wären heute die besten Daten für Steyr in Oberösterreich, wo es keine Messstation gibt.

Die wissenschaftlichen Fakten zum Klimawandel sind klar. Erst kürzlich hielt die Internationale Energieagentur (IEA) fest, dass Österreich zwar gute Ziele festgelegt hat, die Umsetzung aber hinterherhinkt. Gefühlt rückt das Thema Klimaschutz, zumindest medial, trotzdem etwas in den Hintergrund – andere Themen wie verschiedene Kriege, die Teuerung und nicht zuletzt auch diverse Fake News treten derzeit in den Vordergrund. Wie schaffst du es, die Menschen trotzdem für das Thema zu begeistern?

Wir Menschen können mit mehreren Krisen gleichzeitig umgehen, wie für mich persönlich die Corona-Pandemie gezeigt hat. Mein Buch über den Klimawandel wurde trotz Lockdown ein Bestseller. Die größte Herausforderung sind die Faktenfeinde – Lobbys, die aus Angst um Profite den Klimawandel leugnen.

Das Aufzeigen der Folgen hat nicht die gewünschten Effekte! „Wir erleben bereits die Folgen: 2024 war das wärmste Jahr der Geschichte – mit Hochwasser in Österreich, über 1.000 Toten bei der Pilgerfahrt in Mekka durch Hitze über 50°C, … Doch wenn wir jetzt handeln, können wir Schlimmeres verhindern!“

Ich setze deshalb auf positive Kommunikation: Wenn wir die Erwärmung stoppen, wird die Welt besser: saubere Städte durch öffentlichen Verkehr, unabhängige Energie aus Sonne, Wind und Wasser – gesünder, günstiger und lebenswerter für alle. All das sichert unsere Zukunft!

Du betonst, wir sind die erste Generation, die den Klimawandel spürt, aber auch die letzte, die noch handeln kann. Was bedeutet das konkret?

Wir spüren jetzt, als erste Generation, den Klimawandel am eigenen Körper: Dürren, Extremwetter, Sterbefälle durch Hitze, steigender Meeresspiegel, … Gleichzeitig muss unsere Generation auch jetzt handeln, weil wir an einem Scheideweg stehen: Wenn wir die Emissionen jetzt drastisch senken, können wir das Klima auf einem höheren, aber stabilen Niveau halten.

Kipppunkte wie das Abschmelzen des Grönlandeises, das Verschwinden der Gletscher (das in Österreich bereits fix ist) oder das Abschwächen des Golfstroms werden sonst unwiederbringlich kippen und dann wird die Erwärmung zum Selbstläufer – sie wird sich selbst verstärken und beschleunigen. Dann gäbe es keine Chance mehr, sie zu stoppen.

Was kann deiner Meinung nach jede und jeder von uns tun – einerseits um dem Klimawandel entgegenzuwirken und andererseits, um sich daran anzupassen?

Wir werden beides brauchen: Reduktion der Emissionen – wir haben in Österreich nach ein paar Jahren sinkenden jetzt übrigens wieder steigende Emissionen – und Anpassung (z. B. Infrastruktur gegen Hochwasser stärken). Letztere liegt meiner Meinung nach vor allem in der Verantwortung von Gemeinden und Institutionen.

Einzelne können sich in folgenden Bereichen engagieren:

„Jeder kann sofort beginnen: Kurze Strecken zu Fuß gehen, Stromanbieter wechseln, nur kaufen, was man braucht. Das senkt Emissionen, ohne dass wir verzichten müssen.“

  • Mobilität: Auto stehen lassen, auf Öffis, Fahrrad oder zu Fuß gehen umsteigen.
  • Energie: Fossile Brennstoffe meiden – Wärmepumpen, Photovoltaik, nachhaltige Stromanbieter wählen.
  • Ernährung: Weniger tierische Produkte sind gut für unsere Gesundheit und für unser Klima, Lebensmittelverschwendung vermeiden (ein riesiger Emittent!), regional und saisonal einkaufen.

Wir, als eNu, arbeiten zum Thema Klimawandelanpassung viel auf kommunaler und regionaler Ebene. Welche Tipps hast du für Gemeinden, um sich fit für den Klimawandel zu machen?

Mut zur Veränderung! Die Bevölkerung wird es danken.

„Statt einen Parkplatz zu bauen, kann ich auch Bäume pflanzen… Bäume in Städten verhindern die Entstehung der großen Hitze und auch Trockenheit, weil sie ein Mikroklima schaffen, in dem wir uns wohlen fühlen.“

Gemeinden sollten also:

  • Bäume pflanzen (kühlen Städte, schaffen besseres Mikroklima),
  • Flächen entsiegeln (Versickerungsmöglichkeiten bei Starkregen),
  • Mehr Platz für „Nicht-Autoverkehr“ (mehr Spielplätze, Gastgärten, Fahrradstreifen, …)

Durch all diese Maßnahmen steigt die Lebensqualität und nebenbei betreiben wir Klimaschutz und auch Schutz für die Menschen vor Hitze und vor Starkregenereignissen – für mich eine schöne Win-win-Situation.

Trotz aller negativen Auswirkungen des Klimawandels und aller Schreckensszenarien vermittelst du einen sehr optimistischen Blick in die Zukunft. Warum bist du überzeugt davon, dass wir diese Krise meistern?

Weil wir keine Wahl haben. Wenn wir nicht handeln, verlieren wir unsere Selbstverständlichkeiten wie saubere Luft oder Trinkwasser aus der Leitung.

„Man kann so viel warnen davor, wie katastrophal die Folgen sind, sie müssen erst so eintreten, dass sie wehtun, dass die Letzten ins Handeln kommen. Das Problem beim Klimawandel ist … dann ist es zu spät, weil dann sind wir in dem Selbstläufer.“

Die technologische Entwicklung stimmt mich wahnsinnig optimistisch. Man muss sich ansehen, wo weltweit die meisten Investitionen hinfließen:

  • Elektroautos und erneuerbare Energien wachsen exponentiell.
  • Die Wirtschaft hat die Wende erkannt: Öl und Gas sind nicht mehr die Zukunft.

Die OMV hat Mitte Mai 2026 ein neues Gasfeld in Niederösterreich erschlossen. Siehst du darin ein Risiko für die Energiewende?

Nein, das ist kein Widerspruch. Wir brauchen derzeit noch Gas. Wir müssen darauf achten, dass wir so wenig wie möglich brauchen und dieses so heimisch wie möglich ist. Wichtig ist, dass wir es so schnell wie möglich nicht mehr brauchen. Gas in der Erde schadet dem Klima nicht!

Du bist neben deiner Arbeit als Meteorologe beim ORF auch Gründungsmitglied von Klima ohne Grenzen und Botschafter des Europäischen Klimapakts. Was sind dabei deine Aufgaben?

Klima ohne Grenzen dient vor allem dem Austausch von Best Practice Beispielen mit Meteorologinnen und Meteorologen weltweit, um uns gegenseitig zu motivieren. Wir sehen dadurch auch, wie der Klimawandel in verschiedenen Regionen wirkt – z. B. Hurrikans in Asien, die in Europa kaum Beachtung finden.

Klimabotschafter: Vernetzung mit Akteurinnen und Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Ich suche nach positiven Beispielen – welche Gemeinde macht schon was? Wo gibt es erfolgreiche Projekte? Das gibt Hoffnung und zeigt: Es geht voran!

Was sind deine persönlichen Ziele für die nächsten Jahre?

Ich habe keine großen 10-Jahres-Pläne, sondern tägliche Ziele: Noch mehr Menschen erreichen, Bewusstsein schaffen, Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Ich werde weiter mit voller Kraft über den Klimawandel informieren – im ORF, in Büchern, bei Vorträgen. Und ich hoffe, noch viele Jahre das Wetter präsentieren zu dürfen.

Kurz nachgefragt:

  • Lieblingsjahreszeit: Frühsommer
  • Häufigster Telefonpartner: Meine Frau
  • Morgenmensch oder Nachteule? Absoluter Morgenmensch
  • Wenn du ins Gefängnis müsstest, dann weil … die Klimawandelleugner die Regierung aus dem Amt geschmissen hätten und eine Diktatur ausgebrochen ist, die Fakten unterdrücken will und ich trotzdem die Fakten weiterverbreiten würde.
  • Spannendstes Wetterphänomen: Gewitter (auch Thema meiner Diplomarbeit)
  • Drei beste Eigenschaften: Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Energie ohne Ende
  • Spargel oder Erdbeeren? Beide – aber regional und saisonal!
  • Mit welcher Person würdest du gerne einmal diskutieren? in einer Klima-Diskussionsrunde mit Maja Göpl, Luisa Neubauer, Michael Mann und Al Gore
  • Schönste Kindheitserinnerung: die Sommer bei meinen Großeltern in Steyr
  • Persönlicher Nachhaltigkeitstipp: Regional und saisonal ernähren, wenig tierische Produkte und Lebensmittelverschwendung vermeiden.

Vielen Dank für das inspirierende Gespräch!

Aktualisiert am 25.06.2026