Beitrag von unserer Bloggerin Luise Steininger
Balkonkraftwerke – PV auf kleiner Fläche
Nachgefragt bei DI Norbert Flamisch, Leiter des Bereichs Energie bei der Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich. Er ist selbst Besitzer eines Balkonkraftwerkes.
Auch wer kein passendes Dach besitzt, kann die Sonne zur Energieerzeugung nutzen. Mit Kleinsterzeugungsanlagen, sogenannten „Balkonkraftwerken“, können auch Menschen in Wohnungen oder bei nicht geeigneten Dachflächen Sonnenstrom erzeugen.
Bei Balkonkraftwerken gilt es Einiges zu beachten
Damit wir alle dasselbe Bild vor Augen haben: Was ist eigentlich ein Balkonkraftwerk? Was können sich unsere Leserinnen und Leser darunter vorstellen?
Ein Balkonkraftwerk darf maximal eine Leistung von 800 Wp haben. Im Jahr werden mit so einer Anlage je nach Ausrichtung bis zu 800 kWh Strom produziert. An sonnigen Tagen im Sommer sind es bis zu 6 kWh pro Tag, die Spitzenleistung von 800 W wird nur für kurze Zeit zu Mittag erreicht. Größere Verbraucher wie der E-Herd können daher nicht ausschließlich mit Strom aus dem Balkonkraftwerk betrieben werden, weil die Leistung nicht ausreicht.
Was passiert mit dem erzeugten Strom, wenn ich nicht zuhause bin und dieser nicht verbraucht wird? Macht es Sinn auch in einen Speicher zu investieren?
Ohne Stromspeicher wird der überschüssige Strom ins Netz eingespeist, man bekommt aber kein Geld dafür, weil ein Balkonkraftwerk bis 800 Wp ganz unkompliziert und ohne Einspeisevertag installiert werden darf. Daher ist ein Speicher sinnvoll, so kann ein Teil dieses Stroms am Abend und in der Nacht selbst genutzt werden.
Was sollte man beim Kauf eines Balkonkraftwerks beachten? Gibt es hier Qualitätsmerkmale, auf die man ein Auge haben sollte?
Achten Sie darauf, dass Sie das richtige Montagematerial für die gewählte Montageart mit bestellen und dass die mitgelieferten Kabel lang genug für Ihren Aufstellort sind.
Gibt es bei der Installation etwas zu beachten? Kann ich das, als handwerklich geschickte Person selbst montieren oder brauche ich eine Fachkraft?
Es gibt sehr unterschiedlich Arten die Module aufzustellen – am Balkongeländer, an der Fassade oder schräg aufgeständert auf einem Flachdach oder am Boden.
Bei einfachen Bedingungen ist auch eine Montage ohne Fachfirma möglich.
Wo darf ich solch ein PV-Modul eigentlich montieren? Gibt es hier rechtliche Grundlagen? Macht es einen Unterschied, ob ich in einer Miet- oder einer Eigentumswohnung bin?
Im Eigenheim gibt es keine Beschränkungen. Wenn Balkonkraftwerke an mehrgeschoßigen Wohnbauten montiert werden, muss die Hausverwaltung kontaktiert und die Erlaubnis eingeholt werden. Für die Errichtung einer Photovoltaikanlage am Balkon oder an der Terrasse darf die Zustimmung der anderen Wohnungseigentümer jedoch nicht verweigert werden (Wohnungseigentumsgesetz §16 – 2.2)
Gibt es sonstige rechtliche Rahmenbedingungen, die ich beachten muss?
Das Balkonkraftwerk und ein eventueller Speicher sind dem Netzbetreiber 14 Tage vor Inbetriebnahme zu melden. Das geht in der Regel unkompliziert per online-Formular
Mit welchen Kosten muss ich für ein Balkonkraftwerk rechnen und in welchem Zeitraum kann ich mit einer Amortisation der Kosten rechnen?
Balkonkraftwerke sind um wenige hundert Euro erhältlich, Speicher kosten momentan etwa € 500 je kWh Speicherkapazität. Mit der Reduktion der Stromrechnung amortisiert sich so eine Anlage unter günstigen Bedingungen in weniger als 10 Jahren
Gibt es auch Förderungen? Wohin soll ich mich wenden?
Es gibt eine Förderung für PV-Anlagen, die abhängig von der Größe ist. Bei Balkonkraftwerken ergeben sich daraus maximal € 120 an Förderung. Allerdings muss bei Inanspruchnahme ein Zählpunkt beantragt und ein Einspeisevertrag abgeschlossen werden. Infos unter https://www.energie-noe.at/foerderung-fuer-photovoltaik
Welche Erfahrungen hast du selbst mit deinem Balkonkraftwerk gemacht? Würdest du im Nachhinein etwas anders machen? Welche Tipps kannst du unseren Leserinnen und Lesern mitgeben, dass die eigene Stromerzeugung kein Reinfall wird, sondern bestens gelingt?
Die Anlage wurde einmal ummontiert, weil die Verschattung durch einen relativ kleinen Dachvorsprung unterschätzt wurde. Wichtig ist es, einen geschützten Platz für einen Speicher zu finden. Bei mir ist es eine Aluminium-Werkzeugkiste, die unter einem Dach im Freien steht.
Der Speicher hat sich bewährt, er hätte ruhig größer ausfallen können, damit möglichst oft genug Strom in den Speicher kommt, um den Nachtverbrauch zu überbrücken. Wichtig ist eine möglichst gute Steuerungsmöglichkeit, damit die Aufteilung auf Speicherung und Einspeisung ins Netz wirklich gut an den Stromverbrauch angepasst werden kann. Die Kabel sollten vor Tierbissen geschützt werden, Marder mögen ja bekannterweise Kabel sehr gerne. Ich habe das mit Abwasserrohren gelöst.
Aktualisiert am 11.06.2026