Fast Fashion – negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit
Die Modewelt wird immer schnelllebiger. Fast Fashion macht Kleidung zu billiger Wegwerfware auf Kosten der Umwelt und der Menschen, die unsere Kleidung produzieren.
Im Gegensatz zu den früher üblichen zwei Kollektionen pro Jahr, gibt es heute bis zu 24 Kollektionen pro Jahr, bei der Fast-Fashion und Ultra-Fast-Fashion kommen laufend neue Designs heraus. Neue Trends, Styles, Looks, Muster und Farben verlocken zum Kauf.
Fast Fashion ist Wegwerfmode
Laut Europäischer Umweltagentur kauft jeder EU-Bürger 19 kg Kleidung, Schuhe und Heimtextilien pro Jahr (8 kg Kleidung, 4,4 kg Schuhe und 7,6 kg Haushaltstextilien). Gleichzeitig werden 16 kg Textilien entsorgt. Durch die rasante Produktion wird auch die Qualität der Bekleidung schlechter, da bei Fasern und Verarbeitung gespart wird. So wird die Lebensdauer eines Kleidungsstückes immer kürzer, sie landen rasch im Müll.
Während die Tragezeit unserer Kleidung abnimmt, nehmen die CO2 Emissionen der Textilproduktion zu. Wissenschaftler errechneten 355 Kilo CO2 pro Person – so viel wie eine Autofahrt von 1.800 Kilometern – davon 2/3 in Asien, wo der Großteil der Textilproduktion stattfindet. Der Textilsektor war schon im Jahr 2020 der drittgrößte Verursacher von Wasserverschmutzung und Landnutzung (EU-Umweltagentur).
Ungetragen weggeworfen
Auf dem Müll landet auch unverkaufte Ware öfter als gedacht, unabhängig davon, ob es sich um Produkte von Diskontern oder Markenfirmen handelt. Besonders bei Online-Retouren gelangt nur ein kleiner Teil in den Wiederverkauf. Allein in Europa werden etwa 4 bis 9 Prozent der unverkauften Textilien zerstört, noch bevor sie getragen werden. Dabei entstehen rund 5,6 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen. Das sind fast die gesamten Nettoemissionen Schwedens 2021. Nur im deutschen Onlinehandel sind es 20 Millionen zurückgesandte Artikel die entsorgt werden (Quelle: EU Komission).
Werden Alttextilien aus Privathaushalten gesammelt, heißt das aber auch noch nicht, dass diese Kleidungsstücke weiter getragen werden. Nur die Hälfte der gespendeten Ware ist noch tragbar, denn durch die rasante Produktion sinkt die Qualität. Ein Teil wird für die Industrie verwendet (Putzlappen, geschreddert als Dämmmaterial oder Vliesstoff) der Rest ist Abfall
Fast Fashion verschwendet Ressourcen: Verschnittreste und nie Getragenes
Die Vernichtung von Waren erfolgt entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Schon bei der Produktion fallen 25 bis 45 % an Verschnitt an. Würde effizienter zugeschnitten, könnten schon hier Energie, Rohstoffe und Wasser eingespart werden. Auch fehlerhafte Etikettierung führt zur Vernichtung ganzer Chargen. Dazu kommen all die Stücke, die wegen Überproduktion nie an die EndverbraucherInnen gelangen, ungetragen vom Lager direkt in den Schredder.
Auswirkungen von Fast Fashion auf die Umwelt
Für unsere Kleidung wird pro Kilogramm Textil ein Kilo Chemikalien verwendet. Tests zeigen immer wieder in Europa verbotene, teilweise krebsverdächtige Stoffe (z.B. Azofarbstoffe), wie zuletzt bei Damenjeans (Ökotest August 2019).
Baumwolle wird auf 2,4 % der landwirtschaftlich verfügbaren Fläche angebaut. Im konventionellen Anbau kommen dabei fast ein Viertel aller weltweit verwendeten Pestizide zum Einsatz.
Die daraus entstehenden Kleidungsstücke werden noch weiter mit Chemikalien behandelt: Chloride (als Bleichmittel), Weichmacher, Farbstoffe, Flammschutzmittel, zinnorganische Verbindungen (als Schädlingsbekämpfungs- und Antischimmelmittel z.B. Tributylzinn – TBT), Aldehyde (um Kleidung „knitterfrei“ zu machen), Triclosan (hemmt Bakterien- und Schimmelwachstum) und Schwermetalle (Chrom, Cadmium, Zink und Quecksilber).
Durch mangelhafte oder nicht existierende Abwasser- und Abfallbehandlung oder fehlende Kontrollen gelangen die Schadstoffe in die Umwelt. Die Folgen sind vergiftete Flüsse, Abgase, kontaminierte Böden und Trinkwasserreservoirs.
Auswirkungen auf die Menschen
Spätestens seit dem Einsturz der Fabrik in Bangladesch 2013 mit über 1.000 Todesopfern sind die Arbeitsbedingungen der Branche weltweit bekannt. Unsichere Arbeitsplätze, lange Arbeitszeiten, geringe Löhne, schädliche Chemikalien und immer noch Kinderarbeit sind an der Tagesordnung.
So manche Modetrends führen zu lebensbedrohlichen Auswirkungen auf die ArbeiterInnen. Ein Beispiel ist das „Veredelungsverfahren“ mittels Sandstrahlung für den Used Look bei Jeans. Der feine Quarzsand (und fehlende Arbeitsschutzmaßnahmen), der dafür verwendet wird, führt zu schweren Lungenerkrankungen.
Gütesiegel wie Fair Trade, Fair Wear oder auch GOTS berücksichtigen auch soziale Standards und geben Orientierung beim Einkauf.
Fast Fashion & Rohstoff Erdöl
Knapp 1 % des weltweit geförderten Erdöls wird in der Textilindustrie verbraucht. Als Rohstoff für Kunstfaser (z.B. Polyester) ebenso, wie zur Energieerzeugung. Durch die Verwendung von Polyester, der schnell und billig herzustellen ist, wurde „Fast Fashion“ erst möglich. Mehr als die Hälfte unserer Kleidung besteht mittlerweile ganz oder teilweise aus Kunstfaser. Selbst bei sortenreinen Kleidungsstücken aus Baumwolle oder Viskose besteht das Nähgarn oft aus einem anderen Material, nicht selten aus Polyester.
Auch der Energieverbrauch der Branche ist hoch. Strom ist für Nähereien, Wäschereien und Pumpen ebenso notwendig, wie für Wärme zum Trocknen, Färben, usw. In China, einem der Hauptproduzenten von Textilien, wird diese Energie hauptsächlich aus Kohle erzeugt, was, gemeinsam mit dem Transport der fertigen Waren, enorme CO2 Emissionen verursacht.
Gegen den Wegwerftrend
Überdenken Sie Ihr Konsumverhalten und widerstehen Sie kurzlebigen Trends und billigen Kleidungsstücken, so sparen Sie nicht nur Geld, sondern auch Ressourcen und verhindern menschliches Leid.
Tipps zur nachhaltigen Mode:
- Kombinieren Sie Bestehendes neu
- Durchforsten Sie Ihren Kleiderschrank
- Reparieren Sie Kleidungsstücke, statt sie wegzuwerfen
- Kleidungsstücke ändern und neu stylen
- Tauschen Sie Kleidung
- Kleidung leihen statt kaufen
- Kaufen Sie Second Hand
- Achten Sie auf Gütesiegel
Aktualisiert am 23.04.2026