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Partnerinnen & Partner

Nachgefragt bei FAIRTRADE

Beitrag von unserer Bloggerin Luise Steininger

FAIRTRADE Österreich wurde 1993 als gemeinnütziger Verein gegründet (Verein zur Förderung des fairen Handels mit den Ländern des Südens).

Johanna Mang (Vorstandsvorsitzende) und Geschäftsführer Hartwig Kirner von FAIRTRADE Österreich
Johanna Mang (Vorstandsvorsitzende) und Geschäftsführer Hartwig Kirner von FAIRTRADE Österreich

Das übergeordnete Ziel ist es Armut in den Ländern des Südens zu verringern und die dortigen Lebens- und Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern. Einen kurzen spannenden Einblick in die Arbeit dieses Vereins geben im Folgenden Geschäftsführer Hartwig Kirner (HK) und Vorstandsvorsitzende Johanna Mang (JM).

Die allermeisten unserer Nachgefragt werden von einer Person beantwortet. Diesmal nicht. Erklären Sie doch bitte unseren Leserinnen und Lesern kurz warum es bei FAIRTRADE Sie beide, Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzende, gibt und wer von Ihnen welche Aufgaben hat.

HK: FAIRTRADE ist ein gemeinnütziger Verein. Laut Statuten gibt es die Geschäftsführung, die ich seit mittlerweile 19 Jahren verantworte. Das heißt, alle operativen Angelegenheiten und die alltägliche Durchführung liegen bei mir.

JM: Zudem gibt es den Vorstand, der als Aufsichtsorgan fungiert. In diesem engagiere ich mich seit über zehn Jahren und bin seit drei Jahren die Vorsitzende.

So gut wie jede Österreicherin und jeder Österreicher kennt das FAIRTRADE Siegel. Wir wissen es steht für Nachhaltigkeit und die allermeisten vertrauen auch diesem blau-grünem Logo. Trotzdem gibt es auch nicht wissende und zweifelnde Personen. Was möchten Sie diesen kurz entgegnen. Warum sollte man beim Einkauf Produkte mit FAIRTRADE Siegel bevorzugen? Worin liegt für Sie persönlich der größte Nutzen?

HK: Wie sie sagen – die Vertrauenswerte von FAIRTRADE sind sehr gut, genauso wie die Bekanntheitswerte. Das ist das Ergebnis von langer Aufbauarbeit. Mit transparent einsehbaren Standards, in denen stabile Mindestpreise und zusätzliche Prämien ebenso festgeschrieben sind wie das Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit, von Diskriminierung, gentechnisch verändertem Saatgut und vielem mehr. Das sind keine leeren Versprechen, diese Dinge werden von einer unabhängigen Stelle kontrolliert.

JM: Ich finde, so hat jede und jeder von uns eine echt tolle Möglichkeit: denn bei jedem Kauf eines FAIRTRADE -Produkts unterstütze ich jene, die mein eben gekauftes Lebensmittel produzieren. Die Menschen in den Ursprungsländern erhalten fairere Verkaufspreise und es wird auf gute Arbeitsbedingungen geachtet. Das FAIRTRADE Siegel erinnert mich selbst auch immer daran, dass ich als Konsumentin einen persönlichen Beitrag leisten kann. Das fühlt sich für mich sehr gut an.

Neben der Vergabe des Nutzungsrechts für das FAIRTRADE-Siegel gehören vor allem Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit zu den Hauptaufgaben des Vereins. Dazu gibt es diverse Kampagnen, wie z.B. FAIRBRUARY, World Fair Trade Day, Aktionszeitraum Faire Wochen,… Welche davon ist für Sie persönlich die erfolgreichste und warum?

HK: In Summe ist es ein Mix aus Aktivitäten. Eben hatten wir den Fairbruary, eine Kampagne, die noch mehr Sichtbarkeit für Fairtrade im Lebensmittelhandel und in Weltläden schafft. Daran beteiligen sich dann beispielsweise auch FAIRTRADE -Gemeinden und -Schulen, die begleitend im regionalen Raum unterstützen und über den fairen Handel informieren. Wir machen zusätzlich auch viel Pressearbeit, sind dafür mit Journalistinnen und Journalisten in ständigem Austausch und bespielen diverse Kommunikationskanäle – von Newslettern hin zu Blogs und Social-Media-Plattformen. Und das zu diversen Anlässen.

JM: Wie den internationalen Tag des Kaffees am 1. Oktober, um ein weiteres Beispiel hervorzuheben. 2,75 Tassen Kaffee trinken wir im Durchschnitt jeden Tag. Darauf aufmerksam zu machen, dass jede davon eine Chance ist, den fairen Handel zu unterstützen, ist wichtig und wird auch gut angenommen. Denn es braucht faire Spielregeln für den Anbau und Handel. Der Klimawandel stellt für die Kaffeebauernfamilien eine immense Herausforderung da – da müssen wir gemeinsam handeln.

FAIRTRADE Österreich gibt es nun bereits seit 33 Jahren und es wurde viel erreicht. Warum lohnt es sich auch weiterhin dafür einzustehen? Welche großen Ziele gibt es für die nächsten Jahre?

HK: Der faire Handel ist längst im Mainstream angekommen. FAIRTRADE zertifizierte Produkte sind in ganz Österreich gut erhältlich. Von den Bananen ist mittlerweile rund ein Drittel fair gehandelt. Bei Kaffee halten wir bei rund zehn Prozent, bei Tafelschokolade 15 Prozent. Es gibt aber überall noch Potential, dass wir ausschöpfen möchten, um für die Menschen in den Ursprungsländern noch mehr zu erreichen.

JM: Bei meiner Reise in Ghana haben alle Kakaobauernfamilien unisono gesagt: wir hätten noch viel mehr Kakaobohnen, wir brauchen einen höheren Absatz für unsere FAIRTRADE – Produkte. Das eigentliche Ziel ist, dass alle unsere Lebensmittel fair produziert, gehandelt und gekauft werden.

FAIRTRADE Produkte sind mittlerweile in jedem Supermarkt erhältlich.

Kurz und knapp:

  • Mein Lieblingsprodukt mit FAIRTRADE Zertifizierung?
    HK: Ich bin leidenschaftlicher Kaffeetrinker.
    JM: Bananen sind eine meiner Lieblingsobstsorten.
  • Schoko-Osterhase oder Osterei?
    HK: Ich persönlich nasche nicht mehr, darum sage ich Osterei, aber ein echtes, nicht aus Schokolade.
    JM: Ebenfalls das Osterei, aber gerne aus Schokolade.
  • Wenn ich eines Tages ins Gefängnis müsste, dann weil…
    HK: …gemeinnützige Vereine über Nacht zu kriminellen Organisationen erklärt werden.
    JM: …weil ich für Menschenrechte, soziale Gleichstellung und Naturschutz lautstark demonstriert habe.
  • Lieblingsurlaubsziel?
    HK: Griechenland
    JM: Holmenkollen in Norwegen
  • In meinem Kühlschrank gibt es immer…
    HK: Buttermilch oder Kefir
    JM: FAIRTRADE -Süß-Sauer-Sauce.
  • Eine besondere Erinnerung aus meiner Kindheit?
    HK: Das Waten in Pfützen und Tümpeln im Auwald, um nach Molchen und Fröschen Ausschau zu halten, bevor die meisten davon einem Kraftwerksbau weichen mussten.
    JM: Ich durfte, trotz Großstadtwohnung, Hamster, einen Hasen und Meerschweinchen haben – allerdings nicht alle zur selben Zeit.
  • Welche Telefonnummer in Ihrem Verzeichnis ist die Wichtigste?
    HK: Die meiner Frau und meiner Töchter.
    JM: mein Mann, meine Familie – da ist das Telefon 24 Stunden erreichbar dafür.
  • Mit welcher berühmten Persönlichkeit würden Sie gerne einen Kaffee trinken?
    HK: Yacouba Sawadogo aus Burkina Faso, dem Mann, der die Wüste aufhielt und für Hoffnung durch konkretes Handeln steht.
    JM: Michelle Obama
  • Welche Frage hätten Sie sonst noch gerne gestellt bekommen? Und welche Antwort darauf würden Sie geben?
    HK: Wie können wir die Welt zum Besseren ändern? Antwort: Mit einer positiven Vision der Zukunft.
    JM: Wie kommen Sie durch schwierige Zeiten? Antwort: Mit einem wunderbaren Netzwerk von Freund:innen und Familie, Ausdauer und viel Humor.
  • Mein Nachhaltigkeitstipp an die Userinnen und User von wir-leben-nachhaltig.at?
    HK: Wer regional und bio einkauft, macht nie etwas falsch und wenn Produkte nicht bei uns wachsen – bitte immer auf das FAIRTRADE-Siegel achten.
    JM: Die persönliche Freude und Zuversicht am Gestalten unserer Zukunft behalten, und dazu zählt alles – vom eigenen Einkauf bis zum Engagement in einem Verein….

Aktualisiert am 05.03.2026