Putzen kann Ihre Gesundheit gefährden

Foto: Chemie im Haushalt, © R. Burger, eNu

ForscherInnen an der Universität Bergen in Norwegen haben in einer kürzlich veröffentlichten Langzeitstudie festgestellt, dass sich Reinigen auf die Gesundheit so sehr wie Rauchen auswirken kann. Vor allem Produkte, die gesprüht werden, können aufgrund der in der Luft verbleibenden Partikel die Lungenfunktion beeinträchtigen.

Ein Grund für uns, sich das Thema Chemie im Haushalt genauer anzusehen.

In jedem Haushalt gibt es eine Menge an verschiedenen Chemikalien. Waschpulver, Geschirrspülmittel, Badreiniger, Entkalker, Fettlöser, Fleckentferner, diverse Duftmittel für´s WC oder nur zur Raumbeduftung sind nur einige Produkte die sich im Putzschrank finden. Dazu kommen in der Werkstatt vielleicht noch Spezialmittel wie Farben, Lacke oder Holzschutzmittel. Bei allen, die einen Pool im Garten haben, finden sich zusätzlich Schwimmbadchemikalien, die das Badewasser sauber halten.
All diese Mittel haben Auswirkungen auf unsere Gesundheit und natürlich auch auf die Umwelt.

Umweltgefahr Putzmittel

Über das Abwasser werden die Chemikalien aus Haushaltsreinigern in die Kanalisation und damit in die Kläranlage gespült. Was die Kläranlage nicht herausfiltert gelangt in natürliche Gewässer, schädigt Wasserlebewesen oder reichert sich im Boden an. Tenside setzen die Oberflächenspannung des Wassers herab, Schmutz löst sich dadurch besser und bleibt im Schmutzwasser in Schwebe. Was beim Putzen hilft, ist in natürlichen Gewässern unerwünscht. Sind die Tenside durch gesetzliche Vorgaben mittlerweile gut abbaubar, gibt es noch viele weitere Inhaltsstoffe mit problematischen Eigenschaften. Besonders Konservierungsstoffe, Desinfektionswirkstoffe bzw. deren Abbauprodukte, optische Aufheller in Waschmitteln und Duftstoffe gehören dazu.

Unfallrisiko Haushaltschemikalien

Das Risiko für einen Unfall ist in den eigenen vier Wänden viermal so hoch wie im Straßenverkehr. Neben Verletzungen durch Unachtsamkeit, Hektik und Stress handelt es sich dabei um Vergiftungen mit Putz- und Reinigungsmitteln. Über 90% der Vergiftungsfälle mit Putzmitteln passieren zuhause. Pro Jahr müssen rund 800 Kinder unter 15 Jahren aufgrund von Vergiftungen (u.a. durch Putz- und Reinigungsmittel) in Österreich stationär behandelt werden. Die bunten Flaschen, die nach Orange, Zitrone oder Apfel riechen werden nicht als Gefahren erkannt. In letzter Zeit hat die Industrie darauf reagiert und setzt Bitterstoffe zu, die wegen ihres üblen Geschmacks sofort zum Ausspucken führen.

Innenraumluft nicht mit Chemikalien belasten

Wir verbringen heute den Großteil unserer Zeit in geschlossenen Räumen. Ob zuhause oder am Arbeitsplatz ist es wichtig, die Raumluft nicht mit Chemikalien aus Putzmitteln, Duftmitteln und anderen unnötigen Chemikalien zu belasten. Besonders Allergikerinnen und Allergiker sind gefährdet. Lüften Sie daher immer beim oder nach dem Putzen.

Die eigene Gesundheit schützen

  • Bewahren Sie alle Wasch- und Reinigungsmittel und sonstige Haushaltschemikalien sicher und für Kinder unzugänglich auf. So vermeiden Sie Unfälle.
  • Füllen Sie Reinigungsmittel nie um und mischen Sie verschiedene Mittel nicht miteinander. Im besten Fall heben sich die Wirkungen gegenseitig auf, im schlimmsten Fall kommt es zu unerwünschten chemischen Reaktionen.
    Wird ein saurer Reiniger (Essig- bzw. Sanitärreiniger) mit chlorhaltigen Mitteln wie z.B. einem Abflussreiniger gemischt, entsteht giftiges Chlorgas.

So viel wie nötig – so wenig wie möglich

  • Schon beim Einkauf auf umweltfreundlichere Produkte mit Gütesiegeln, wie dem österreichischen oder europäischen Umweltzeichen achten. Hier können Sie sicher sein, nach strengen Kriterien geprüfte Produkte zu erwerben.
  • Gehen Sie mit Haushaltsreinigern sorgsam um und beachten Sie die Kennzeichnung durch Gefahrpiktogramme und die Anwendungshinweise genau.
  • Dosieren Sie immer genau nach Angabe. Damit sparen Sie nicht nur der Umwelt unnötige Chemikalien sondern auch noch Geld, weil Sie länger mit dem Mittel auskommen.
  • Mehr Mittel heißt nicht besser geputzt. Oft tritt genau das Gegenteil ein. Putzmittelreste hinterlassen eine klebrige Oberfläche, ziehen Schmutz an und Sie müssen daher öfter reinigen.
  • Es lohnt sich auch von Zeit zu Zeit den Putzschrank durchzusehen und aufzuräumen. Produkte die Sie aussortieren oder Restmengen, die übrig bleiben bei der Problemstoffsammelstelle abgeben.

Auch Hausmittel und Oma´s Putztipps mit Vorsicht anwenden

Beliebte umweltfreundliche Hilfen im Haushalt, wie Essig oder Schmierseife sind zwar für die Umwelt gut verträglich, aber trotzdem Chemikalien. Essig ist eine Säure, die gut gegen Kalk wirkt, aber auch die Haut reizen kann. Besonders in konzentrierter Form z.B. bei Essigessenz kann es zu bösen Unfällen kommen. Auch Schmierseife, Waschsoda oder Natron sind nicht ungefährlich. Daraus entstehen je nach Dosierung starke Laugen, die die Haut reizen und die Augen verletzen können.
Schützen Sie sich selber beim Putzen: Handschuhe und bei manchen Mitteln sogar Schutzbrillen verwenden.

Links:

Uni Bergen: Studie "Putzen beeinträchtig die Lungenfunktion"
Ökorein: Reinigungsmittel-Datenbank
wir-leben-nachhaltig.at: Kennzeichnung von Chemikalien
wir-leben-nachhaltig.at: Putz- und Reinigungsmittel
wir-leben-nachhaltig.at: WC-Reinigen
wir-leben-nachhaltig.at: Putzirrtümer
gesundheit.gv.at: Vergiftungen bei Kindern mit Haushaltschemikalien
kfv.at: Vorsicht giftig!
kfv.at: Folder"Gift - Gefahr für Kinder"




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