NÖ wird plastikfit: „Faschings“-Party ohne Plastik

Foto: Party ohne Einwegplastik, © P. Nemec

Das Land Niederösterreich startet gemeinsam mit den NÖ Umweltverbänden und der Energie- und Umweltagentur NÖ einen Schwerpunkt zum Thema Einweg-Plastikvermeidung. Wir stellen Ihnen monatlich Lösungsansätze zum nachhaltigen Umgang mit Kunstoffen in Niederösterreich, Österreich und der EU vor und geben Ihnen Tipps zu Ihrem Einweg-Plastik freien Alltage.

Gemeinsam feiern und lachen, gut essen und trinken – das klingt nach einer gelungenen Party. Oft kommt am nächsten Tag dann die Ernüchterung. Jede Menge Müll aus Trinkhalmen, Verpackungen für Knabbereien, Plastiktellern- und –besteck, Bechern, zerknüllten Servietten, Partydeko wie Luftballons, Girlanden und Co.

Klein aber oho

Laut Bericht der amerikanische NGO Ocean Conservancy des Jahres 2019 fanden sich bei deren jährlich organisierter Sammelaktion an Stränden auf der ganzen Welt Kleinverpackungen für Lebensmittel (Chips-Sackerl, Süßigkeitenpapier, Lutscherstangen) auf Platz 2 aller gefundenen Plastikabfälle, noch vor Plastiksackerln und Trinkflaschen.
Gleich dahinter auf Rang 3 kamen Plastikstrohhalme.

Alleine in der EU werden pro Jahr 36,5 Milliarden Plastikstrohhalme verwendet. Genutzt werden sie so lange, wie zum Austrinken des Getränks nötig. Das ist selten länger als 20 Minuten.

Zumindest für Trinkhalme gibt es Plastikfreie Alternativen. Für Knabbereien und andere Lebensmittel kommen jährlich Milliarden von Kleinverpackungen in den Handel. Ohne praktikable Recyclinglösung enden sie im Müll oder im schlechtesten Fall in dieUmwelt.

Was hat die EU vor?

Trinkhalme aus Plastik, Einwegplastik-Teller und Besteck sowie die Plastikstäben bei Luftballons werden ab 2021 innerhalb der EU verboten. Aber auch die Einweg-Verpackungen wie sie bei Chips, Knabbereien und Süßigkeiten verwendet werden, sind der EU ein Dorn im Auge. Mangels vorhandener Alternativen ist hier eine Reduktion der Mengen geplant. Dazu werden zukünftig Produzenten dazu angehalten, Bewusstseinsbildungsaktionen und Aufräum-Aktionen zu finanzieren und verstärkt in die Forschung von Alternativen zu investieren. Die Sammlung und Müllbehandlung von Plastikverpackungen und Hüllen sollen verstärkt werden.

Alternativen zu Einweg-Plastik auf Ihrer Party

  • Verzichten Sie grundsätzlich auf Plastiktrinkhalme. Es gibt wiederverwendbare Alternativen aus Glas oder Edelstahl bzw. Halme aus Stroh, Bambus und sogar Papier.
  • Um Verpackungsmaterial bei Knabbereien zu sparen, setzen Sie auf Großpackungen. Popcorn lässt sich auch gut und einfach selber machen und kommt meist ohne Verpackung aus.
  • Ein Buffet mit kleinen Häppchen und Fingerfood auf Tellern und Platten serviert, erspart große Mengen an Essgeschirr und Schalen. Ist Geschirr nötig, dann verwenden Sie ihr eigenes und borgen sich im Notfall fehlende Teile bei Nachbarn oder Freunden aus. Soll das Geschirr bruchsicher sein z. B. bei einer Kinderparty, so verwenden Sie Mehrwegkunststoff. Dieses Geschirr eignet sich auch für die Sommerparty oder den Campingurlaub. Achten Sie auf das Material. PE (Poly-Ethylen) oder PP (Poly-Propylen) kommen ohne bedenkliche Weichmacher aus.

Glitzer, Schminke und Ballons

Beliebt ist Glitzer für Partydekorationen jeglicher Art, im Fasching oder auf Festivals. Nachteil: die kleinen Partikel bestehen aus Plastik und Metall, verteilen sich großflächig und sind schwer wieder wegzubekommen. Sozusagen Mikroplastik überall!

Wollen Sie nicht gänzlich auf Glitzer verzichten, greifen Sie zu umweltfreundlicheren Alternativen aus Biokunststoff (PLA; Maisstärke oder Zuckerrohr), die frei von Schwermetallen und giftigen Farbstoffen sind. Ihr Vorteil: Sie zersetzen sich von alleine, allerdings, je nach Feuchtigkeit oder Temperatur, nur sehr langsam.

Achtung Konfetti: Diese bestehen nicht immer nur aus Altpapier. Oft versteckt sich in der Packung Plastikkonfetti.

Keine Kinderparty ohne Luftballons. Greifen Sie zu klassischen Ballons aus Naturkautschuk oder Latex und meiden Sie die glitzernden Folienballons. Diese sind immer aus Plastik. Setzen Sie auch beim Zubehör, wie Schnüren, Haltern und Stangen auf Plastikfreiheit.

Verkleidungen gehören zum Fasching

Kostüme und Scherzartikel sind besonders oft Einweg- bzw. Wegwerfartikel aus Plastik. Hier gilt „weniger ist mehr“. Kostüme, Perücken, Hüte, Brillen, Kopfgestecke und Ähnliches lassen sich im Freundeskreis tauschen und auffrischen.
Schminke enthält meist Konservierungsmittel, Metalle für die Farbpigmente, Duftstoffe, Mikroplastik und vieles mehr. Besonders Kinderhaut kann auf manche Inhaltsstoffe empfindlich reagieren.

Unbedenkliche Faschingsschminke können Sie leicht selber herstellen. Ein Rezept dazu gibt es unter Faschingsschminke selbst gemacht

Alternative Dekorationsmaterialien

Plastiktischtuch und Partydeko aus Einwegplastik müssen nicht sein. Als Alternativen bieten sich bunte Stoffe, Stoffreste, Bänder und – je nach Jahreszeit – Naturmaterialien an. Mit Blumen, Gräsern, Zapfen, Muscheln, Steinen und vielem mehr lassen sich hübsche Akzente setzen. Schmuckgirlanden gibt es auch aus Papier. Mit etwas Geschick lassen sich diese sogar selber machen. Solarlichterketten setzen Leuchtakzente und können immer wieder verwendet werden.
Verzichten Sie bei Ihrer Party auf Spritzkerzen oder Feuerwerkskörper, denn diese sind nicht nur umweltschädigend. Durch das beim Verbrennen frei gesetzte Schwefeldioxid schädigen sie auch noch die Gesundheit.

Links:

wir-leben-nachhaltig.at: Nachhaltige Feste & Feiern
wir-leben-nachhaltig.at: NÖ wird plastikfit – Einwegplastikgeschirr vermeiden
wir-leben-nachhaltig.at: Ökologische Kinderfaschingsparty
wir-leben-nachhaltig.at: Faschingskostüme

EU-Plastikstrategie: Plastikmüll
NÖ Umweltverbände: Plastikabfälle
Biorama: Plastik-Glitzer-Festivaltrend
Ocean Conservancy Organisation: Coastal Cleanup Report

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