Fußball und Nachhaltigkeit rund um die EM 2016

Foto: Näher in Indien, © suedwind

Stadien und Großevents hinterlassen Spuren

Wie alle Großveranstaltungen hinterlassen auch Spiele bei Welt- oder Europameisterschaften große „Fußabdrücke“. Extra errichtete Großbauten, wie das als „Weißer Elefant“ bezeichnete Stadion in Manaus im Regenwald des Amazonas für die WM 2014 oder die Errichtung des Stadions für die  WM 2022 in der Wüste Katars sind solche Beispiele. Es besteht die Gefahr, für ein einmaliges Ereignis Land und Ressourcen zu verbauen, Mittel zu binden und auf soziale Faktoren zu vergessen. Also das genaue Gegenteil von Nachhaltigkeit.

Großveranstaltungen nachhaltig gestalten

Der richtige Veranstaltungsort stellt bereits frühzeitig die Weichen für ein nachhaltiges Event. Wichtig ist, bestehende Sportstätten und Gebäude zu nutzen oder temporäre Anlagen nach dem Event rückzubauen.
Weitere Bausteine eines nachhaltigen Veranstaltungsmanagements sind:

  • Einhaltung von nachhaltigen Beschaffungskriterien z.B. in den Bereichen Catering, Marketing, Veranstaltungsmanagement, etc.
  • Sicherstellung einer effizienten Energie- und Wasserversorgung
  • Erstellung eines nachhaltigen Rohstoff- und Abfallmanagementkonzeptes
  • Förderung der öffentlichen Erreichbarkeit und Barrierefreiheit vor Ort
  • Angebot von umweltzertifizierten Beherbergungsbetrieben
  • Berücksichtigung  sozialer Aspekte
  • Einbindung regionaler Wirtschaftsbetriebe

Die Initiative Green Events des Österreichischen Umweltzeichens zeichnet nachhaltige Veranstaltungen in Österreich als „Green Event“ aus. Dass nachhaltige Veranstaltungen möglich sind, zeigt der wohl bekannteste „Green Event“ in Österreich, der Eurovision Song Contest 2015 in Wien.

Wenn Sie selbst nachhaltige Veranstaltungen für z.B. den Sportverein oder die Schule organisieren, unterstützt auch das Tool N.CHECKevent mit interessanten Informationen und Tipps. Das tut dem Sport und der Umwelt gut.

Nachhaltige Fußballproduktion

Nicht nur die Austragungsstätte und die oben erwähnten Rahmenbedingungen zeichnen nachhaltige Fußball-Großveranstaltungen aus. Auch das sprichwörtliche runde Leder wird nicht immer nachhaltig produziert: Ein Großteil unserer Fußbälle wird in Asien gefertigt. In Jahren mit Welt- oder Europameisterschaften sind das bis zu 60 Millionen Fußbälle von denen 65% per Hand genäht werden. Nur 35% sind maschinell gefertigt.
Ein Problem dabei ist die Kinderarbeit und der geringe Lohn für die Arbeitskräfte. Um Kinderarbeit zu verhindern haben sich die ILO (Internationale Arbeitsorganisation), das Kinderhilfswerk der UNO - UNICEF und die lokale Handelskammer im Hauptproduktionsland Pakistan schon 1997 verpflichtet, die Produktion von Heimarbeit in zentrale Nähateliers zu verlegen. Die Ursache für Kinderarbeit - der zu geringe Lohn der NäherInnen für den Lebensunterhalt - wurde damit aber nicht beseitigt.

Materialien sind entscheidend

Aber nicht nur die Produktionsbedingungen sind zu beachten, auch die Materialien tragen entscheidend zur Nachhaltigkeit von Fußbällen bei. Ursprünglich wurden die Bälle aus Leder hergestellt. Im Inneren befand sich eine luftgefüllte Schweinsblase. Durch fehlende Imprägnierung zogen sie aber Feuchtigkeit an und wurden immer schwerer. Heute sind billige Fußbälle, aber auch andere Sportbälle für den privaten Gebrauch oft aus PVC hergestellt. Die Weichmacher machen diesen Kunststoff, sowohl in der Herstellung, als auch in der Entsorgung wenig nachhaltig. Im Sportwesen kommt Polyester, verklebt in mehreren Schichten, zum Einsatz. Die Außenschicht bildet Glanz-Polyurethan. Profibälle bestehen aus High-Tech Polyurethan.

Gütesiegel garantieren Nachhaltigkeit

Das Fairtrade-Gütesiegel garantiert Ihnen einerseits den Verzicht auf Kinderarbeit, die Bezahlung des gesetzlichen Mindestlohns, sowie sozial verträgliche Arbeitsbedingungen der NäherInnen. Andererseits schließt die FSC-Zertifizierung (Forest-Stewardship Council) Raubbau an den Wäldern für die Latexblase im Inneren des Balls aus. Der Kautschuk für die Bälle wird auf geprüften Plantagen in Indien gewonnen. Den PlantagenarbeiterInnen wird eine Prämie bezahlt und das Extraeinkommen in einem Fonds angelegt, woraus wiederrum die Schulbildung der Kinder finanziert wird.
Als nächster Schritt ist geplant, Bälle mit FSC-Außenhülle für den Einsatz auf harten Oberflächen anzubieten. Auch die Suche nach umweltverträglichen Farben und Stoffen wird weiterverfolgt.

Textilien und Schuhe beim Fußballsport

Nicht nur bei den Bällen sind die Produktion und Behandlung problematisch. Wie bei fast allen Textilprodukten liegen die Probleme hauptsächlich im Herstellungsprozess. Die Arbeitsbedingungen der NäherInnen und die chemischen Behandlungen der Stoffe stehen im Fokus.

Fußballschuhe, Torwarthandschuhe und die Dressen können bedenkliche Chemikalien enthalten. Immer wieder tauchen bei Untersuchungen perfluorierte Chemikalien (PFC), Weichmacher (Phthalate) und Nonylphenolethoxylate (NPE), die als hormonell wirksame Substanzen gelten, auf.

Große Hersteller wurden, auch im Zuge medienwirksamer Aktionen von NGO´s (z.B. Greenpeace), wachgerüttelt und versuchen in unterschiedlichem Ausmaß hier Maßnahmen zu setzen. Es liegt an uns Konsumentinnen und Konsumenten nachzufragen und das Thema nicht zu vergessen. Die aktuelle Fußball-EM kann dabei ein guter Anlass sein.

Links:

wir-leben-nachhaltig.at: Tipps zu nachhaltigen Fußbällen
FAIRTRADE: Sportbälle
Bewusstkaufen: Fairtrade-Fußbälle
Sportministerium: Nachhaltigkeit im Sport
WM-Ball: Herstellung und Konstruktion eines Fußballs
Umweltbundesamt: PVC und Weichmacher
fairrubber: Fairer Kautschuk
Südwind: Faire Bälle

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