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„Langes Fädchen, faules Mädchen“…

Beitrag von unserer Bloggerin Christa Ruspeckhofer

Handarbeiten war sowieso nicht so meine Sache. Wozu Stopfen lernen, wenn es Socken im Zehnerpack zu einem Spottpreis gibt? Wir haben uns eher Löcher in die Hosen geschnitten, als irgendetwas freiwillig zu flicken.

Nähmaschine mit rotem Seidenstoff und Nähkästchen auf Holztisch
Handarbeiten liegt wieder im Trend.

… so das Zitat meiner Handarbeitslehrerin, wenn ich beim Sticken oder Nähen, mein Zwischenergebnis begutachten ließ und der Faden „offensichtlich“ zu lang geraten war.
Aus meiner Sicht war es clever, gleich ein ordentliches Stück Garn oder Zwirn durch das enge Nadelöhr zu zwingen. Das zu diskutieren hätte ich allerdings nie gewagt. Und Handarbeiten war sowieso nicht so meine Sache. Wozu Stopfen lernen, wenn es Socken im Zehnerpack zu einem Spottpreis gibt? Wir haben uns eher Löcher in die Hosen geschnitten, als irgendetwas freiwillig zu flicken. Dürfte derzeit auch wieder so sein.
Und mein einziger selbstgestrickter Pullover in Senfgelb brauchte Jahre der Fertigstellung und war – sagen wir mal  – recht interessant anzusehen. Ganz anders bei meiner Mama. Da wurde alle paar Wochen die Nähmaschine für Kleiderreparaturen aufgestellt und ein gut bestückter Nähkorb, die sogenannte „Flickschachtel“, war selbstverständlich. Ebenso gehörte eine Dose mit diversen Knöpfen in allen Größen zur Ausstattung.

Aber, kein Weg führte in meiner – doch schon länger zurückliegenden – Schulzeit am Handarbeiten vorbei und so lernte ich häkeln, stricken, nähen, stopfen und flicken. Lange sind meine handwerklichen Fertigkeiten brach gelegen, und siehe da – mit der ersten eigenen Wohnung war es dann doch recht praktisch Vorhänge selber zu kürzen, aus Stoffresten Polsterbezüge anzufertigen, Schlaufen an Handtücher oder Geschirrtücher zu nähen, abgewetzte Hosen mit einem Patch zu tunen oder aus alter Bettwäsche Faschingskostüme zu zaubern.

Dann war Häkeln topaktuell

Ihr habt sicher auch eine Haube dieser besonderen Machart. Mmhh, wie war das jetzt mit dem Anschlag? Wieviel Wolle brauche ich für eine Mütze? Der umwerfende Erfolg dieser Kopfbedeckung war sicher das Gesamtpaket: Schritt-für-Schritt-Anleitung, passende Wolle, Häkelnadel in der richtigen Größe und gutes Marketing.

Selbstgenähter Mund-Nasen-Schutz, war vor allem am Beginn der Pandemie, heiß begehrt. Meine Arbeitskollegin hat hunderte von Masken aus den alten Hemden ihres Vaters genäht und viele von uns damit versorgt.
Was tun, wenn bei einer einwandfreien Winterjacke der Reisverschluss kaputt geht? Ich kann zwar keinen neuen Zipp einnähen, aber das Heraustrennen geht und ein Teil der Arbeit ist damit erledigt. Obwohl manche Designs das Heraustrennen unmöglich machen, weil Ösen, Schleifen oder Metallverschlüsse „geschickt“ miteingenäht wurden. Schade um jede Jacke.

Liegt Handarbeit also wieder im Trend?

Dieser Eindruck könnte entstehen, denn viele Menschen nutzen Zugfahrten oder Wartezeiten für kreative Handarbeit. In Strickrunden werden die Fertigkeiten weitergegeben und wer, wie ich, keine Strickanleitung lesen kann, schaut sich dazu ein Video an: Kreatives Stopfen!

Selbstgemachtes macht Freude, ist eine schöne Freizeitbeschäftigung und hilft immer wieder mal Ressourcen einzusparen – egal, ob man als Vollprofi ans Werk geht oder als noch ausbaufähige Einsteigerin. Und ein langes Fädchen macht noch lange kein faules Mädchen…oder einen faulen Burschen, reimt sich halt nicht so gut.