Ökotextilien

Öko-Gütesiegel

Von der Baumwollkapsel zum Faden und Stoffballen, der Färbung und Verarbeitung, vom Schneidern bis ins Geschäft benötigt es viele Arbeitsschritte sowie Chemikalien und Rohstoffe. Weltweit werden fast ein Viertel der verfügbaren Insektizide für Baumwollfelder verwendet. Bewusst werden uns die langen, schmutzigen Wege unserer Kleidungsstücke leider erst durch Unfälle in Fabriken oder durch Produkttests, bei denen bedenkliche Inhaltsstoffe gefunden werden.

Welches Textil ist am umweltfreundlichsten?

Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Die Rahmenbedingen der gesamten textilen Kette vom Rohstoff, dem Anbaugebiet, der Anbauweise, dem Produktionsverfahren, der Ausrüstungsintensität bis zu den Arbeitsbedingungen bei der Produktion und Veredelung spielen da mit. Transportwege, aber auch Nutzungsdauer, Reinigungsaufwand und Entsorgung beeinflussen die Umweltfreundlichkeit von Textilien.

Ein T-Shirt aus der konventionell hergestellten Naturfaser Baumwolle, produziert in Fernost oder Lateinamerika, kann eine größere ökologische Belastung sein als ein Viskose-Leiberl aus Österreich.

Obwohl Baumwolle eine Naturfaser ist, werden beim herkömmlichen Anbau enorme Mengen an Pestiziden und Düngern eingesetzt. Auf ein T-Shirt kommen so umgerechnet 150 g Pestizide, soviel wie für kein anderes landwirtschaftliches Produkt. Dazu kommt der große "Durst" der Baumwollpflanze, die meist in trockenen Gegenden, manchmal sogar Halbwüsten, angebaut wird. Die weiteren Verarbeitungsschritte sind da noch nicht dazugezählt.

Die ökologische Alternative ist Bio-Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau. Textilien aus Bio-Baumwolle sind nur eine von vielen Möglichkeiten, sich umweltschonend zu kleiden. Auch andere pflanzliche Fasern wie Hanf und Leinen sind eine gute Alternative.
wir-leben-nachhaltig.at: Hanf - eine vielseitige Nutzpflanze

Faire Jogginghosen & Co

Bequeme Sportbekleidung, wie Jogginghosen und Sweatshirts werden üblicherweise aus sogenannten Sweatstoff bzw. Sweatshirtstoff hergestellt. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern Sweat für Schwitzen und Shirt für Hemd zusammen. Die wörtliche Übersetzung beschreibt dabei genau die Funktionen und Eigenschaften, die der Stoff ursprünglich hatte. Auch im Sportbekleidungsbereich gibt es nachhaltige und faire Artikel.

Nachhaltige Sweatstoff–Sportbekleidung besteht aus ca. 95 % Bio-Baumwolle und 5 % Elastan (äußerst dehnbare Industriefaser), wodurch eine hohe Festigkeit gegeben ist sowie ein angenehmer Tragekomfort.
Sweatstoff wird durch ein spezielles Verfahren hergestellt. Bei diesem wird ein Futterfaden, welcher weicher gedreht ist als das übrige Garn, auf der Rückseite mitgeführt und später aufgeraut, so erhält Sweatstoff seine typisch weiche Innenseite. Aufgrund seiner Beschaffenheit nimmt der Stoff Schweiß gut auf und hält warm.

Nicht nur nachhaltig kaufen, auch nachhaltig nutzen

Ein Wollpullover, der nur eine kurze Modesaison lang getragen wird und dann im Abfall landet, hat eine deutlich schlechtere Ökobilanz als eine Polyesterjacke, die viele Jahre getragen wird.

Kaufen Sie nur, was Sie benötigen und wählen Sie Stücke, die sich gut kombinieren lassen. Pflegen Sie diese Stücke und Sie haben lange Freude daran. Kleidung wird oft weggeworfen, nur weil sie nicht mehr dem aktuellen Modetrend entspricht. In Deutschland sind das bei 6 Millionen verkauften Textilien fast eine Million Tonnen im Jahr. Für Österreich gibt es keine Zahlen, aber auf unsere EinwohnerInnenzahl heruntergebrochen wird die Größenordnung sehr ähnlich sein. Diese Altkleider sind aber Wertstoffe und kein Restmüll. Dafür stecken zu viele Ressourcen drin.

Damit ein Kleidungsstück, ungeachtet der Herkunft des Stoffes, nachhaltig wird, sollte es länger als nur eine Saison getragen werden.

Gebrauchte Kleidung nicht einfach wegwerfen

Ist getragene Kleidung noch brauchbar freuen sich Caritas, Hilfsorganisationen oder Second Hand Läden. In diesen bekommen Sie auch noch Geld für Ihre aussortierten Stücke. Auch Textilien, die nicht mehr zu tragen sind, werden über die Sammelstellen noch einer Verwertung zugeführt. Die Stoffe werden entweder als Putztücher für die Industrie verwendet oder als Rohstoff in der Vliesproduktion oder Papierindustrie gebraucht.

Auf Gütesiegel bei Textilien achten

Naturtextil

IVN "Best"-Produkte (Naturtextil) erfüllen die zurzeit höchsten realisierbaren Öko-Standards in der Textilbranche. Das Naturtextil-Gütesiegel wird vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft, dem IVN, vergeben und kennzeichnet Textilien, die vollständig aus Naturfasern bestehen. Berücksichtigt werden die Umweltauswirkungen des gesamten Produktions-Prozesses, vom Anbau der Faser bis zum fertigen Kleidungsstück.

Das Kleidungsstück muss zu 100 % aus zertifiziert biologisch erzeugten Fasern hergestellt sein. Auch die Einhaltung von sozialen Standards ist im Label berücksichtigt. Der IVN bietet ein hohes Maß an Transparenz und Sicherheit und legt alle Herstellungsrichtlinien offen. Die Einhaltung der Kriterien wird in jeder Produktionsstufe von unabhängigen Stellen überprüft.

Naturtextil

GOTS - Global Organic Textile Standard

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist ein weltweit anerkanntes Gütezeichen für Naturfasern. Es basiert auf ökologischen und sozialen Aspekten und steht für die Kontrolle der gesamten textilen Kette. Es gibt strenge Richtlinien bezüglich der Ausrüstung und Färbung.

GOTS schreibt die Implementierung eines Umweltmanagementsystems und einer Abwasseraufbereitung vor. Für die MitarbeiterInnen sind die sozialen Bedingungen innerhalb der Textilverarbeitungskette geregelt. Kinderarbeit ist verboten. Gekennzeichnet werden Textilien mit dem Hinweis "zertifiziert nach dem Global Organic Textile Standard".

GOTS

Österreichisches Umweltzeichen

Das Österreichische Umweltzeichen wird an Textilien vergeben, die hohe Umweltstandards in der Produktion erfüllen, auf gesundheitsgefährdende Chemikalien verzichten, gute Gebrauchseigenschaften aufweisen und in der Herstellung auf die Einhaltung der Arbeitsbedingungen achten. Verwendete Naturfasern müssen biologischer Herkunft sein.

Österreichisches Umweltzeichen

Europäisches Umweltzeichen

Das Europäische Umweltzeichen, die "EU-Blume", stellt Anforderungen an die umweltverträgliche Produktion von Textilerzeugnissen, wie z.B. die Verringerung des Energieverbrauches, der Abluft und Wasserverschmutzung, Abfallaufkommen, sowie an die Gesundheitsverträglichkeit des Endproduktes. Die Grenzwerte für Schadstoffe gehen jedoch nur zum Teil über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Falls Baumwolle als Textilfaser verwendet wird, muss diese nur zu mindestens 3 % aus biologischem Anbau stammen. Das EU Label ist ein reines Ökolabel und berücksichtigt keine sozialen Kriterien.

EU Ecolabel

Fairtrade

Fairtrade garantiert faire Preise und soziale Mindeststandards für die BaumwollproduzentInnen. Bio ist kein Muss, allerdings gibt es viele Bioprodukte auch mit dem Fairtrade-Siegel.

Fairtrade

Links:

wir-leben-nachhaltig: Textilkennzeichnung

wir-leben-nachhaltig.at: nachhaltige Jeans

eNu-Broschüre: Schickes Outfit! Neu? Ja, aber ökologisch!

Einkaufsquellen für Ökotextilien: "die umweltberatung"

Greenpeace

Faire Bedingungen in der Textilbranche: Clean Clothes

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