Künstliche Intelligenz (KI) steckt bereits in vielen Alltagsgegenständen, sie erleichtert Abläufe und steigert die Effizienz. Doch sie hat auch Schattenseiten.
Hinter KI-Systemen steckt eine Infrastruktur, die enorme Ressourcen benötigt, vor allem Energie in Form von Strom, aber auch Wasser und Rohstoffe wie seltene Erden.
Auswirkungen der KI auf die Umwelt
Die riesigen Datenmengen, die für die Entwicklung und Nutzung der Systeme anfallen, liegen in speziellen Rechenzentren auf Servern, die Energie und Wasser zur Kühlung verbrauchen. So benötigen allein in Irland, einem europäischen Zentrum der IT-Branche, die Rechenzentren bereits 20 % des gesamten Stromverbrauchs, in der Hauptstadt Dublin sind es sogar knapp 80 % (Quelle: Greenpeace-Studie: Umweltauswirkungen Künstlicher Intelligenz, Mai 2025).
Welche Ressourcen benötigt KI?
Energie
Der Anteil von KI-spezifischer Hardware am Energieverbrauch von Rechenzentren wird von 14 % im Jahr 2023 auf 41 % bis 2030 ansteigen. Neu errichtete sogenannte „Hyperscale-Rechenzentren“ benötigen Anschlussleistungen von mehreren Hundert Megawatt. Zum Vergleich: Das entspricht dem Verbrauch einer europäischen Stadt mit etwa 1 Million Einwohnerinnen/Einwohnern. Das bedeutet, dass im Jahr 2030 diese KI-Rechenzentren die gleiche Menge Strom benötigen wie alle heutigen Rechenzentren zusammen.
Große Technologie-Konzerne setzen zur Deckung ihres Energiebedarfs auf Atomkraft. Zwar haben sich alle führenden Konzerne der Klimaneutralität verschrieben, da nachhaltige Stromproduktion durch Wind- und Sonnenenergie aber Schwankungen unterliegt, die Rechenzentren aber kontinuierliche Stromversorgung benötigen, kommt die als „emissionsfrei“ bezeichnete Atomkraft wieder ins Spiel. Die Pläne sehen entweder sogenannte Small Modular Reactors (SMRs) vor oder die Verlängerung der Laufzeit von alten Atomkraftwerken (z.B. Three Mile Island, Pennsylvania).
Wasser
Zur Kühlung der Server wird Wasser benötigt. Schon 2023 benötigten bestehende Rechenzentren 175 Milliarden Liter Wasser. Dieser Wert wird auf bis zu 664 Milliarden Liter bis 2030 ansteigen. Nicht inkludiert ist der indirekte Wasserverbrauch (virtuelles Wasser), der bei der Produktion der Chips und der Stromerzeugung anfällt.
Water-Europe, die wasserbezogene Technologieplattform der Europäischen Kommission, schätzt die Abwassermengen Europäischer Chip-Fabriken im Jahr 2024 auf 45 Milliarden Liter. Die europäische Produktion macht allerdings nur 10 % der Weltproduktion aus.
Material und Ressourcen
Nicht nur Eisen und Aluminium, sondern Seltenerdenmetalle wie Praseodym, Neodym und Dysprosium, die für die Festplattenlaufwerke unverzichtbar sind, sowie Gold, Zinn, Tantal und Wolfram werden für die Server und Datenspeicherproduktion benötigt.
Bei deren Gewinnung tauchen Probleme wie umweltschädigender Abbau, strategische Abhängigkeiten und menschenrechtliche Bedenken auf.
Elektroschrott
Hinter KI-Systemen und ihren Anwendungen verbergen sich enorme Datenmengen, die zur Herstellung, zum Betrieb und zur Speicherung Energie, Wasser und Ressourcen benötigen. Durch den raschen Zuwachs werden darüber hinaus auch immer neue, leistungsfähigere Komponenten benötigt. Zurück bleibt zwar noch funktionsfähige, aber nicht mehr einsetzbare Hardware.
Es wird Elektroschrott produziert, der eigentlich noch brauchbar ist und funktioniert, aber mit der schnellen Technik nicht mithalten kann. Für die Neuproduktion werden immer weitere Ressourcen benötigt, da Wiederverwendung und Recycling noch nicht ausgereift sind.
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Carola Berger
Dazu haben wir den Experten Prof. Dr. Alexander Adrowitzer, Leiter des Master-Studiengangs Digital Innovation and Research sowie stellvertretender Leiter des Bachelorstudiengangs Data Science & Artificial Intelligence an der USTP – University of Applied Sciences St. Pölten gefragt.
Grüne KI
Durch die Schnelligkeit, Effizienz und Anpassungsfähigkeit der KI-Systeme besteht die Möglichkeit, diese Technologie zum Schutz der Umwelt und zur Verbesserung unseres menschlichen Lebens einzusetzen.
Einige Beispiele dazu gibt es bereits. So wird in der Abfallwirtschaft KI zum Sortieren und Verdichten von Abfällen sowie zur Optimierung der Abfallsammelwege bereits erfolgreich eingesetzt. Das senkt Kosten und erhöht die Recyclingquoten.
Gezielter Einsatz in Logistik und Transport, beim kraftstoffeffizienten Routing, in der Fertigung (Fehlererkennung, Abfall- und Energieverbrauchsmonitoring) und bei der Überwachung des Energieverbrauchs in Betrieben und Energiemanagementsystemen dienen sie der Emissionsreduktion.
In der Landwirtschaft kann KI eingesetzt werden, um das Pflanzenmanagement zu optimieren, den Wasserverbrauch zu reduzieren und den Bedarf an Pestiziden und Düngemitteln zu minimieren, was zu nachhaltigeren landwirtschaftlichen Praktiken führt.
Verwendungen in der Umweltüberwachung sind beispielsweise der Einsatz von KI, bei der Analyse von Satellitenbildern, um darauf basierend die Abholzung von Wäldern zu verfolgen, Wildtierpopulationen zu überwachen und die Auswirkungen des Klimawandels zu bewerten.
Ein Sektor mit direkten Auswirkungen auf den Menschen ist der Einsatz in der Medizin bei der Diagnose von Krankheiten.
Umweltzeichen für Rechenzentren
In Österreich verbrauchten Rechenzentren bereits 2020 1,2 Terawattstunden (TWh) Strom, die Tendenz ist steigend. Diese Menge an Strom verbrauchen beispielsweise 400.000 Haushalte – oder ganz Vorarlberg.
Seit Ende 2024 ist in Österreich eine Zertifizierung für Rechenzentren mit dem Österreichischen Umweltzeichen (ZU 80) möglich. Als erstes in Österreich erhielt diese Auszeichnung das Rechenzentrum der Stadt Wien im 22. Bezirk. Der umweltfreundliche und ressourcenschonende Betrieb wird durch ein umfangreiches Energiemonitoring-System, die Nutzung der Außenluft und des lokalen Grundwassers zur Kühlung erreicht.
1. österreichisches Rechenzentrum mit Umweltzeichen
Dieses Beispiel zeigt, dass technologischer Fortschritt und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen. Weitere Rechenzentren sind ebenfalls zur Zertifizierung aufgerufen.
Tipps, um KI bewusst zu nutzen
Da die Technik gekommen ist, um zu bleiben, sind wir alle aufgefordert, die Auswirkungen wahrzunehmen, zukunftsträchtige Lösungen zu suchen und vor allem im Alltag bewusst zu handeln. Das bedeutet für jeden von uns:
- KI gezielt einsetzen, wo ich sie brauche – nicht um sie statt Suchmaschinen für schnelle Recherche zu nutzen.
- Bei den Systemen und Anbietern auf Transparenz achten.
- KI als Werkzeug sehen.
- Vorsichtig mit den eigenen persönlichen Daten umgehen.
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Fazit:
- Als Konsumentinnen und Konsumenten sollen wir versuchen auf Transparenz zu achten, und im Zweifelsfall nachzufragen, welche Daten ein System verwendet.
- Bei Datenverarbeitung (z.B. Adressdatenbanken, Online-Shops etc.) beachten wer die Verantwortung trägt und wo (auf welchen Servern) die Daten liegen (wer hat Zugriff).
- Als Konsumentinnen und Konsumenten können und sollen wir uns den Anbieter bewusst aussuchen. Das ist derzeit noch problematisch, da es keine völlig transparenten Anbieter gibt.
- Was bleibt, ist unser Nutzerverhalten. Das bedeutet, vor Nutzung der KI überlegen, ob wir sie wirklich brauchen.
Aktualisiert am 23.02.2026