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Partnerinnen & Partner

Nachgefragt bei der Juniortafel – Hilfe gegen Kinderarmut in Österreich

Beitrag von unserer Bloggerin Luise Steininger

Fast jedes 4. Kind in Österreich ist armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. 395.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren (24%) sind in Österreich davon betroffen. Das Projekt „Juniortafel“ des Roten Kreuzes setzt genau hier an.

Nach drei Jahren läuft das Projekt im September 2026 aus. Astrid Kepplinger-Past, Rotes Kreuz Niederösterreich, erklärt worum es geht.

Die Juniortafel lief drei Jahre und endet nun im September 2026. Worum ging es bei dem Projekt – und warum ein eigenes Angebot für Kinder?

Aus unserer Arbeit bei den Ausgabestellen der Team Österreich Tafel wissen wir: Mehr als die Hälfte der Haushalte, die wir unterstützen, sind Familien mit Kindern oder Alleinerziehende. Klassische Lebensmittelspenden decken aber oft nicht ab, was Kinder besonders brauchen – etwa Babynahrung, Windeln und Pflegeprodukte. Genau da setzt die Juniortafel an: Wir haben gezielt zusätzliche Sachspenden organisiert, indem wir Produzenten, Landwirtschaftsbetriebe und Handelsunternehmen als Unterstützer gewonnen haben – für Babynahrung, Windeln, Hygieneartikel und gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse.

Astrid Kepplinger-Past, Rotes Kreuz Niederösterreich

Ein eigenes Projekt für Kinder und Jugendliche war uns als Rotes Kreuz wichtig, weil sie an der finanziellen Notlage ihrer Familie nichts ändern können, die Folgen aber unmittelbar spüren. Reicht das Geld nicht für alles, müssen Familien zwischen Lebensmitteln, Kleidung, Miete oder der sozialen Teilhabe ihrer Kinder wählen. Das bedeutet nicht nur materiellen Mangel, sondern auch die Gefahr sozialer Ausgrenzung. Umgesetzt wurde die Juniortafel im Burgenland, in Niederösterreich, der Steiermark und in Tirol – viele der entwickelten Maßnahmen, etwa e-Learning zu Kinderarmut, wirken aber österreichweit.

Finanziert wurde die Juniortafel durch eine Förderung des Sozialministeriums.

Welche Ziele wurden zu Beginn gesteckt und wurden diese erreicht?

Wir haben drei Hauptziele verfolgt: zusätzliche, bedarfsgerechte Warenspenden gewinnen, Kinderarmut sichtbarer machen und die Freiwilligen Strukturen der Ausgabestellen der Team Österreich Tafel weiter zu stärken. Konkret wollten wir österreichweit 250 Spender und Spenderinnen und Partner kontaktieren, jährlich 150 Tonnen zusätzlicher Warenspenden gewinnen, rund 80 Ausgabestellen unterstützen und 3.000 Kinder und Jugendliche erreichen – dazu e-Learnings für 500 Freiwillige und Infomaterial für 3.000 Haushalte.

Die finalen Zahlen liegen erst nach Projektende vor, aber bereits nach der Hälfte der Laufzeit konnten mehr als 100 Firmenkontakte geknüpft, zusätzliche 90 Tonnen an Warenspenden gesammelt und damit mehr als 13.000 Kinder und Jugendliche erreicht werden – somit deutlich mehr als geplant. Unsere e-Learning zu Lebensmittelhygiene haben die meisten der österreichweiten 6.000 Freiwilligen bereits absolviert, das e-Learning Modul zum Thema Kinderarmut steht sogar allen 90.000 Rotkreuz-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen offen. Infomaterial haben wir in dieser Zeit bereits an rund 24.000 Haushalte der Team Österreich Tafel, an Rotkreuz-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und im Rahmen von drei Sammeltagen an Supermarkt-Kunden und -Kundinnen verteilt.

2025 wurde die Juniortafel mit dem Viktualia-Award (ein renommierter Nachhaltigkeitspreis des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft) ausgezeichnet. Was bedeutet diese Auszeichnung und hatte sie auch direkte Auswirkungen auf das Projekt?

Die Jury begründete die Preisverleihung an die Junior Tafel folgendermaßen: „Die „Junior Tafel“ des Österreichischen Roten Kreuzes bringt die Kinder- und Jugendarmut sowie die Lebensmittelverschwendung verstärkt in den öffentlichen Diskurs. Ziel ist, überschüssige Lebensmittel sinnvoll weiterzuverwenden und gleichzeitig armutsbetroffene Familien zu unterstützen. Spenden aus Produktion und Landwirtschaft erhöhen das Warenangebot für Familien in den Tafel-Ausgabestellen. Damit wird auf vorbildliche Weise ökologische Nachhaltigkeit mit sozialem Engagement vereint.“

Für uns ist die Auszeichnung eine Wertschätzung unserer Freiwilligen, die sich laufend für armutsgefährdete Menschen und gegen Lebensmittelverschwendung engagieren – und ein zusätzlicher Ansporn weiterzumachen.  

Das Projekt läuft mit September 2026 aus. Wie geht es weiter? Gibt es ein Nachfolgeprojekt?

Vieles, das wir in diesem Rahmen aufgebaut haben, bleibt bestehen: die Kontakte zu Unternehmen und Spender und Spenderinnen ebenso wie die gestärkten Freiwilligenteams. Auch die entwickelten Materialien werden weiterverwendet – das e-Learning zu Kinderarbeit, die Stundenbilder für Schulen, die Lebensmittelbroschüre und vieles mehr. Der österreichweite Warensammeltag an Supermärkten wird zudem ab sofort jährlich stattfinden.

Kinderarmut darf nicht wieder „zurückgestellt“ werden und in Vergessenheit geraten

Woran wir aber alle arbeiten müssen: Kinderarmut darf nicht wieder „zurückgestellt“ werden und in Vergessenheit geraten. Daran gilt es auch zukünftig zu arbeiten und natürlich wäre es wünschenswert, hier auch künftig eine entsprechende Finanzierung sicherzustellen.

Aktualisiert am 01.10.2026