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Interview mit DIin Sabine Pleininger, biohelp Garten & Bienen

Beitrag von unserer Bloggerin Daniela Capano

Die biohelp Garten & Bienen GmbH ist Ansprechpartner für alle ökologisch interessierten Hobby- und ZimmerpflanzengärtnerInnen sowie ImkerInnen.

GF DIin Sabine Pleininger, biohelp im Interview
GF DIinSabine Pleininger, biohelp im Interview mit DI Daniela Capano

1988 erkannte man die Notwendigkeit, den biologischen Pflanzenschutz mit Schwerpunkt „Nützlingseinsatz“ mittels einer eigenen Produktionsstätte den österreichischen Gärtnern zugänglicher zu machen. Innerhalb eines Jahrzehntes ist dabei Großartiges gelungen – biohelp wandelte sich vom Pionierunternehmen im biologischen Pflanzenschutz zum gefragten Kompetenzzentrum!

Die biohelp Garten & Bienen GmbH ist ein junges Unternehmen, das sich als Ansprechpartner für alle ökologisch interessierten Hobby- und ZimmerpflanzengärtnerInnen sowie ImkerInnen versteht.

Frau Pleininger, Sie sind seit 2016 Geschäftsführerin von biohelp Garten & Bienen, welches aus dem etablierten Unternehmen biohelp GmbH hervorgegangen ist. Wie viele Bedenken in Bezug auf Machbarkeit und Effizienz hat es zu Beginn Ihrer Tätigkeit mit der Arbeit mit Nützlingen gegeben?

Ich bin 1996 als Nützlingsberaterin direkt von der Uni zu biohelp gekommen und habe mir mein Wissen anhand der praktischen Arbeit erworben. Damals wurde Pionierarbeit geleistet und man musste die GärtnerInnen überzeugen, dass sie auch ohne chemischen Pflanzenschutz auskommen und auf ein Arbeiten mit Nützlingen umsteigen können. Dazu haben wir Pilotversuche, sogenannte „Schauversuche“, gemacht, damit auch andere GärtnerInnen sich die Kulturen anschauen  und sehen konnten, dass es funktioniert. Es war einiges an Überzeugungsarbeit nötig. Was uns auch unterstützte war, dass es damals bereits sichtbare Resistenzen gab, es kam bei gewissen Pflanzenschädlingen vor, dass man nichts mehr hatte, was wirkt. Manche GärtnerInnen waren mit gesundheitlichen Problemen konfrontiert und haben das Spritzen von Pestiziden als Auslöser erkannt. Es gab natürlich auch große Skepsis, ob ein Pflanzenschutz ausschließlich mit Nützlingen funktionieren kann. Anhand unserer Versuche konnten wir immer mehr Betriebe dazu gewinnen, zumindest einen Teil des Jahres nur mit Nützlingen zu arbeiten. Und damit einhergehend  weniger häufig und bewusster Pflanzenschutzmittel einzusetzen.

Diese Zeit am Beginn meiner beruflichen Laufbahn war für mich sehr lehrreich. Ich musste jedes Glashaus kennenlernen und genau untersuchen, wo sich die Schädlinge aufhalten und wie sich eine Schädlings- und Nützlingspopulation verhält und verändert, wenn man längere Zeit nicht mit chemischen Mitteln arbeitet. Es war eine Zeit, in der ich viel beobachtet und Zusammenhänge erfahren habe und aus der ich immer noch schöpfe. Ich selbst berate jetzt nicht mehr die GärtnerInnen, sondern die Privatkundinnen und –kunden. Aber auch hier ist es wichtig zu wissen, wie eine Schädlingspopulation reagiert und wie man feststellen kann, dass  etwas funktioniert oder noch was zu tun ist. Das habe ich in meinen ersten Jahren intensiv kennengelernt.

Wie kann mir biohelp Garten & Bienen als HobbygärtnerIn weiterhelfen?

Für HobbygärtnerInnen stehen eine Reihe von Nützlingen für den Haus- und Kleingartenbereich zur Verfügung. Der Einsatz beim Profi heißt vor allem in einem geschützten Bereich zu arbeiten, einem Glashaus, mit einer bestimmten Fläche, wo sich eine Schädlingspopulation aufbaut und sich später die Nützlinge etablieren und für eine lange Zeit bleiben können. Diese Situation hat ein/e Privatkunde/Privatkundin kaum. Auch Nützlinge sind Pflanzenschutzmittel und müssen so behandelt werden wie ein Spritzmittel – von der Registrierung, der Kennzeichnung und der Abgabe. Es gehört also eine intensive Beratung dazu, wenn es funktionieren soll. Auch kann man bei der Kundschaft nicht voraussetzten, dass sie genau weiß, wie eine Weiße Fliege aussieht, oder eine Blattlaus, eine Wolllaus oder eine Schildlaus. Gerade bei den Woll- und Schildläusen ist es aber wichtig auch die Art zu bestimmen, damit man den richtigen Nützling einsetzen kann. Da muss man schon sehr viel nachfragen und sich Fotos schicken lassen oder genau beschreiben lassen.

Wichtig ist bei der Beratung auch die Unterscheidung, ob die Nützlinge im Innenbereich, im kleinen Glashaus oder im Außenbereich eingesetzt werden sollen. Im Außenbereich kann man mit eindeutig weniger Nützlingen erfolgreich arbeiten, weil einfach das geschlossene System fehlt: Das heißt, dass die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit nicht immer konstant ist, ein Windstoß die Nützlinge wie z.B. die kleinen Schlupfwespen abtreiben kann. Es ist im Freien schwieriger eine Nützlingspopulation aufzubauen. In der Erde geht es ganz gut, wenn ich z.B. gegen den Dickmaulrüssler Nematoden eingieße auf einer bestimmten Fläche. Aber auch da gibt es bestimmte Zeiten, wo ich Nematoden ausbringen kann und Zeiten, wo es sich ausschließt.

GF DIinSabine Pleininger, biohelp im Interview mit Kaffee und Wasser am Tisch
GF DIin Sabine Pleininger, biohelp im Interview

Interview mit GF DIin Sabine Pleininger, biohelp Garten & Bienen

biohelp Garten & Bienen versendet viele Nützlinge, die im Haushalt und Garten angewendet werden können? Ist beim Versand schon mal was Unvorhersehbares passiert?

Beim Versand kann immer was passieren. Besonders wenn etwas nicht hinkommt, wo es hinkommen soll. Wir müssen beachten, dass wir den Nützling in sehr kurzer Zeit zur Kundschaft bringen müssen. Wir bekommen jede Woche die Nützlinge je nach Bedarf und Bestellung frisch aus Deutschland oder Holland zu uns gesendet -mit Ausnahme einer Raubmilbenart, die wir bei uns züchten. Das ist sehr sensibel und die Nützlinge müssen schnell und im guten Zustand zu uns kommen. Am Montag oder Dienstag sind sie bei uns im Haus. Dann müssen die Nützlinge schnell verpackt werden, damit sie spätestens am Mittwoch verschickt werden können, denn sie sollten vor dem Wochenende bei der Kundschaft ankommen. Ein Nützlingspaket über das Wochenende auf einer Post liegen zu haben, wo es  nicht gekühlt ist, versuchen wir zu vermeiden.

Mit Paketdiensten ist es uns auch passiert, dass einfach „über den Gartenzaun“ zugestellt wurde . Wenn ein Paket einen Tag in der Sonne liegt, ist das natürlich ganz schlecht. Die Nützlinge sollen ja noch aktiv sein. Manche Nützlinge werden im Ruhestadium (Puppe oder Dauerlarve) versendet. Das ist es meist kein Problem. Schlupfwespen oder Marienkäfer, die wir als Erwachsene versenden, halten es nicht lange ohne Nahrung, Wasser, oftmals Luft aus. Das ist ein sensibles Thema, wo wir als Unternehmen sehr gefordert sind jede Woche schnell zu reagieren. Und da bauen wir auch auf das Verständnis unsere Kundinnen und Kunden, dass es nicht immer möglich ist,  alles am nächsten Tag zu bekommen. Es gibt gewisse Grenzen, an die wir uns halten müssen, da es ja ein Lebendversand ist.

Was sind die häufigsten Bedenken gegenüber dem Nützlingseinsatz bei Zimmerpflanzen im Haushalt? Sieht man die Nützlinge herumflattern?

Grundsätzlich sieht man im Zimmer die eingesetzten Nützlinge nicht herumflattern. Die größten Nützlinge sind die Florfliegenlarven, die nicht  fliegen können, sondern nur krabbeln. Die Marienkäfer würden schon fliegen, aber die sind immer auf Suche nach Nahrung und wenn sie Wollläuse gefunden haben, halten sie sich immer rund um die Pflanze auf. Schlupfwespen, die gegen Lebensmittel- und Kleidermotten eingesetzt werden, sind winzig klein, nur wenige Millimeter groß und die machen nur kurze kleine Bewegungen – egal ob im Kleiderschrank oder Küchenkasterl.

Auch die Raubmilben halten sich nur auf der Pflanze auf und sind bestenfalls als winzige Pünktchen auf der Pflanze zu erkennen. Nach dem Befall verschwinden auch die Nützlinge. Entweder verhungern sie, weil sie die Schädlinge als Nahrung brauchen oder sie finden keinen Schädling mehr zur Eiablage.

Frau Pleininger, sie halten Vorträge zu umweltfreundlichen Strategien im Pflanzenbau, haben in einige Publikationen zum biologischen Pflanzenschutz im Obst- und Weinbau mitgewirkt. Was fasziniert sie an Schädlingen und Nützlingen bzw. am Ökosystem Garten am meisten?

Am meisten fasziniert mich, wie die Natur es eingerichtet hat, dass sich nach den Schädlingen automatisch auch die Nützlinge einstellen und sich ein Gleichgewicht bildet. Bei den Blattläusen sieht man das immer sehr gut: erst kommen die Läuse–, dann die Schwebfliegen, die Gallmückenlarven und die Marienkäfer etc.

Aber man muss natürlich in Kauf nehmen, dass gewisse Schadsymptome auftreten, wie z.B. eingerollte Blätter beim Apfelbaum etc. So etwas stört mich nicht, ich finde es dann wieder faszinierend, wenn ich beobachten kann, dass die neuen Blätter von alleine schön nachwachsen.

Besonders erfreulich ist für mich,  wenn ich noch jemanden anderen überzeugen und mit meiner Faszination anstecken kann.

Das ist mir z.B. im Rosarium in Baden gelungen, wo wir über mehrere Jahre ein Rosenprojekt begleitet haben. Der Stadtgartendirektor war mutig genug, Flächen für den Versuch zur Verfügung zu stellen. Dort wurden Schautafeln aufgestellt, um die BesucherInnen zu informieren. Es gab großes Interesse und Verständnis, dass hier anders, mit Nützlingen anstelle der üblichen Spritzmittel gearbeitet wird. Und einer der tollen Effekte dieser Versuchsperiode war, dass die Marienkäfer wieder aufgetreten sind im Rosarium, was in den davorliegenden Jahren nie der Fall war. Jetzt ist es so, dass  sich die Rosarium-Gärtner um die Blattläuse keine Sorgen mehr machen müssen. Man sieht ganz klar, dass sowohl die Beschäftigten im Rosarium als auch die BesucherInnen einen Umdenkprozess hinter sich haben, wenn sie sagen, es muss nicht immer alles 100%ig „sauber“ und ohne Schadsymptom sein.

 Im Rosarium arbeiten sie jetzt nur mehr mit ökologischen Mitteln und das macht mich sehr stolz.

GF DIin Sabine Pleininger, biohelp im Interview

Interview mit GF DIin Sabine Pleininger, biohelp Garten & Bienen

Das hört sich gut an. Was sind denn ihre nächsten Projekte?

Jetzt mit der Gründung der neuen Firma haben wir den Schwerpunkt bei den Privatkundinnen und -kunden. Interessant wäre für uns das Thema Urban Gardening – mit Gemeinschaftsgärten sind wir schon im Kontakt und da würden wir gerne was aufbauen. Da machen viele Menschen mit, die Interesse haben, ökologisch zu arbeiten. Aber sie sind auch sehr heterogen, arbeiten zu anderen Zeiten in den Gärten und sie alle zu erwischen und zusammenhängend zu informieren ist schwer, aber das wäre unsere nächste Intention – mit  Veranstaltungen und Vorträgen in Gemeinschaftsgärten.

Sie beraten auch ImkerInnen. Spätestens nach dem Film „More than Honey (2012)“ wissen wir, dass ein Leben ohne die Biene undenkbar ist. Wie unterstützt biohelp die Imkerschaft? Hat sich dort auch was verändert?

Bei uns geht es bei den Imkerinnen und Imkern hauptsächlich um Konzepte zur Bekämpfung der Varroamilbe. Das funktioniert mit dem Verdampfen von Säuren (z.B. Ameisensäuren) oder mit ätherischen Ölen. Thymovar ist z.B. eines unsere Hauptprodukte, das hat das Thymol vom Thymian in sich und wird mit Schwammtuchplättchen auf das Bienenvolk aufgelegt und verdampft dort und bekämpft die Varroamilbe sehr gut.

Die Produkte gegen die Varroamilbe fallen unter das Tierarzneimittelgesetz, welches sich in den letzten Jahren in einer Umstellungsphase befand. Wir haben unser Sortiment umgestellt und versucht, alle Konzepte zu bedienen. Wir sind keine Grundausstatter der ImkerInnen. Bei uns geht es rein um die Varroamilbenfreihaltung.

In der Imkerei war vor einigen Jahren ein gewisser Einbruch zu merken – das kann man entweder zurückführen darauf, dass viele Bienenvölker gestorben sind, aber auch, dass das Imkern ein wenig aus der Mode geraten war.

Man merkt generell, dass sich etwas tut bei den Imkern. Sie sind gut ausgebildet, gehen zur Imkerschule oder besuchen andere Kurse und holen sich das nötige Fachwissen.

Kurz nachgefragt:

Woran würde man Sie immer erkennen?
Dass ich viel lache und ich jedes Insekt rette. Bei mir wird -außer Lebensmittelmotten- alles gerettet.

Flip Flops oder Sandalen?
Flip Flops

Was war bisher ihre skurrilste Anfrage?
Wie werde ich die Regenwürmer los? Denn sie machen Häufchen und manche Leute stört das 

Welches Talent hätten Sie gerne?
Wirklich beinhart Preise zu verhandeln – das ist als Geschäftsführerin nötig, mache ich aber nicht so gerne

Ohne was würden Sie nie das Haus verlassen?
Das Handy, um für Notfälle erreichbar zu sein, besonders für meine Kinder

Lieblings-Schädling oder Nützling?
Marienkäfer! Ganz eindeutig. Ich habe eine ganze Marienkäfersammlung – alles Mögliche, darunter ganz viele Geschenke wie Kinderbücher, Dosen, Spielzeuge, Spiele, Stofftiere – frühr hatte ich sogar einen roten Beetle.

Was findet sich immer in Ihrem Kühlschrank?
Salat – ich bin seit einigen Jahren vegetarisch, meistens vegan lebend und der Salat ist zurzeit mein Hauptnahrungsmittel

Klassikmusik oder Pop?
Pop

Ihr wichtigstes Gartenwerkzeug?
Die Gartenschere, weil wenn ich was tue im Garten, dann schneide ich kaputte, verblühte Zweige weg

Es ist Sommer! Wie kühlen Sie sich am liebsten ab?
Wenn es irgendwie geht, dann  gehe ich in den Schatten. Im Büro fällt es mir und meinen Kollegen gerade recht schwer, uns richtig abzukühlen. Ein Eis zwischendurch und ein Ventilator – mehr gibt es nicht.

Dankeschön für das Interview.