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Ein Hoch dem Faltrad!

Beitrag von unserem Blogger Gerald Franz

Wie mir das Faltrad meine täglichen Pendelwege erleichtert hat und mir überhaupt ein kindliches Freiheitsgefühl wiedergeschenkt hat.

Fahrrad von oben

Multimodalität ist das Schlagwort der Stunde in den Verkehrswissenschaften. Man kombiniere seine täglichen Wege mittels Fahrrad, zu Fuß gehen und dem öffentlichen Verkehr und lasse das Auto möglichst oft stehen. Im besten Fall hat man gar keinen PKW, sondern leiht sich ein Carsharing Fahrzeug aus, dann wenn es wirklich sein muss. Ich versuche diese Philosophie schon länger zu leben, mit den unterschiedlichen Bürostandorten der Energie- und Umweltagentur NÖ ist das nicht immer ganz so einfach. Ich erinnere mich an mein erstes Büro, vor knapp 10 Jahren, in Zistersdorf im fernen Weinviertel. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln glich einer kleinen Weltreise. Nachdem ich in Wien zu Haus bin hab ich versucht, das Rad im Zug mitzunehmen und mich an den nächst gelegenen Bahnhof heranzutasten – Ergebnis war, dass ich mich verirrt hab in den Weiten der Weinberge und spät am Vormittag verschwitzt im Büro ankam (nachdem mir eine Kindergartengruppe auf Spaziergang doch noch den Kirchturm wo ich hin musste gezeigt hat). Meine zukünftigen Büros sind zum Glück erreichbarer und zentraler geworden – nach Deutsch Wagram, St. Pölten oder Mödling konnte und kann ich gut mit dem Zug kommen, das Radl am Bahnhof bzw. der Schnellbahnstation abstellen. Doch auch hier waren unliebsame Überraschungen durchaus an der Tagesordnung – drei Mal wurde mir das Fahrrad am Bahnhof gestohlen. Einmal, besonders ärgerlich, kam ich aus St. Pölten am Westbahnhof an, wir hatten gerade einen ORF Spot gedreht zum Thema „Mein Fahrrad sicher abstellen“ und fand nur mein aufgeknacktes (gutes) Fahrradschloss wieder. Wenn man sein Radl ins Herz geschlossen hat, dann sind solche Erlebnisse besonders ärgerlich. Alle in Wien lebenden RadlerInnen kennen das Gefühl glaub ich. Eine Lösung musste her!

Für unsere Initiative RADLand hatten wir tolle Falträder in verschiedenen coolen Farben angeschafft – zum Transport für Infostände und im Sinne allgemeiner Bewusstseinsbildung. Schade, diese coolen Gefährte, die in 10 Sekunden ins Koffermaß zusammengepackt werden können, als Stehzeuge verkommen zu lassen. Immer öfter stieg ich bei meinen Arbeits- und Arbeitsverbindungswegen aufs Faltradl um. Man wird damit nicht nur oftmals bestaunt (immer noch – was mich schon wundert, wo doch eh schon so viele mit Faltrad unterwegs sind). Natürlich ist es nett Kinderaugen zum Leuchten zu bringen, wenn das Rad lässig am Bahnhof zum „Packerl“ wird. Das Teil ist im Zug oder in der U-Bahn mit dabei – aber Vorsicht: leicht sind die Räder nicht, man darf schon ein wenig schleppen und trainiert den Bizeps wenn man sein Faltrad oft dabei hat. Man macht sich natürlich nicht nur Freunde, weil es schon mal passieren kann, dass man beim Sitznachbarn anstreift und einen Ölfleck hinterlässt. Aber im Großen und Ganzen, stoßen die Falträder auf grinsende Gesichter. So auch wenn ich mit der großen Tasche, die vorne montiert werden kann, vom Markt heimradle, zum Bersten voll mit Obst und Gemüse und vielleicht mal einem Baguette und einer Flasche Rotwein. Von wirklich größeren Beladungen und Distanzen ist trotzdem eher abzuraten. Letztes Jahr hab ich den Ennstalradweg von „Radstadt“ zurück nach Wien mit dem Miniaturrad gemacht, und das bei gleißender Hitze. Eine „one-time-experience“ das keiner Wiederholung bedarf.

Gerald Franz mit Fahrrad und Kühen im Hintergrund

Doch mittlere Strecken bis zu 15 Kilometer lassen sich ganz wunderbar zurücklegen und oftmals, wenn Wetter und Laune passen, macht man gerne den einen oder anderen Umweg um noch etwas länger am Radl sitzen zu dürfen. Übrigens bin ich scheinbar nicht der einzige Berufsradler, der gerne Faltrad fährt. Wenn sich die österreichischen Radkoordinatoren zum gemeinsamen Austausch treffen, werden oftmals die Zugabteile und Gepäckfächer zu klein, weil alles vor Falträdern übergeht. Möge dieser Trend nicht aufhören und immer mehr PendlerInnen aufs Faltradl umsteigen. In Barcelona zum Beispiel hab ich das schon erlebt, da sieht man alle paar Minuten solche Gefährte vorbeiflitzen. Eine andere Verkehrswelt ist definitiv möglich und macht sogar Spaß!

3 Berufsradler vor einem Zug