Wertvolle Lebensmittel im Müll

Foto: Lebensmittel im Müll, © Schneider, Boku

Der gesamte Lebensmittelabfall im Handel in Österreich betrug im Jahr 2013 74.100 Tonnen. Dazu kommen noch 35.600 Tonnen von nicht verkauftem Brot und Gebäck, und Retourware an die Lieferanten, welche auch zum Abfall zu rechnen sind. Somit summiert sich der gesamte Lebensmittelabfall im Handel auf  109.700 Tonnen im Jahr. (Laut Lagebericht zu Lebensmittelabfällen und -verlusten in Österreich, WWF Österreich und Mutter Erde).

In den österreichischen Haushalten werden jährlich rund 157.000 Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle über den Restmüll entsorgt.

Vermeidbare Lebensmittelabfälle

Laut niederösterreichischer Restmüllanalyse 2015 sind 14,5% des Restmülls vermeidbare Lebensmittel. Dieser Anteil ergibt umgerechnet 33.522 Tonnen Lebensmittel pro Jahr.
Zusätzlich wurden in Biotonnen rund 20% vermeidbare Lebensmittel vorgefunden, das sind 27.015 Tonnen Nahrung pro Jahr (laut GVA Baden, Manfred Kowatschek).
In Summe ergeben die Lebensmittelabfälle rund 90 kg pro Haushalt und Jahr, das sind umgerechnet etwa € 300 pro Haushalt. Davon wären große Mengen vermeidbar und das ist besser als entsorgen.
Unter vermeidbare Lebensmittel fallen originale Lebensmittel, angebrochene Lebensmittel und Speisereste.

Sozialmärkte im Trend  

In Niederösterreich gibt es derzeit 11 Sozialmärkte und Verkaufsstellen, die einen Beitrag zur Vermeidung von Lebensmitteln im Müll leisten. Im Sozialmarkt können Menschen mit niedrigem Einkommen Produkte des täglichen Bedarfs zu günstigen bzw. günstigeren Preisen als regulär im Supermarkt kaufen. Die Berechtigung für den Einkauf wird zumeist via Einkaufskarte erteilt und dafür genügt der Einkommensnachweis.

Die Betreiber von Sozialmärkten erhalten vom Lebensmittelhandel Restposten und kurz vor dem Ablauf befindliche Ware wie z.B. Brot vom Vortag. Die Produkte sind  alle genießbar und einwandfrei, dennoch wäre die Ware im Supermarkt nicht mehr verkäuflich. Lebensmittelhändler und Produzenten tragen so zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen bei und ersparen sich auch hohe Entsorgungskosten.

Wertschätzender Umgang mit Nahrungsmitteln

Achtsamkeit und ein wertschätzender Umgang mit unserem Essen sind die beste Basis, damit Lebensmittel nur in unseren Mägen und nicht am Müll landen.
Das beginnt beim Einkauf und der Verfügbarkeit eines großen Sortiments. Beim Einkauf kann jeder von uns Verständnis aufbringen, dass nicht jedes Nahrungsmittel zu jeder Jahres- und Tageszeit verfügbar sein muss und wir auch aus einem reduzierteren Angebot noch genug bekommen können.

Für den Lebensmitteleinkauf ist eine Einkaufsplanung hilfreich. Ein Überblick zu den Verbrauchsmengen im Haushalt über den Wochenzeitraum kann dabei helfen, keine zu großen Mengen einzukaufen. Gut überschaubar sind z.B. für jeweils 3 Tagesverpflegungen zu planen.  

Die richtige Lagerung  

Nur durch eine richtige Lagerung, bleiben Lebensmittel länger frisch und somit genießbar. Räumen Sie leicht verderbliche Lebensmittel nach dem Einkauf sofort in den Kühlschrank ein. Jedes Lebensmittel hat im Kühlschrank aufgrund der Temperaturzonen seinen optimalen Platz: Fisch und Fleisch im unteren Bereich des Kühlschranks, Milchprodukte darüber und Obst und Gemüse am besten im Gemüsefach lagern. Brot können Sie in Brotboxen oder Holzbrotdosen aufheben. Erdäpfel und Wurzelgemüse bleiben im dunklen Lagerkeller lange frisch.

Eine Übersicht über die Lebensmittelvorräte und das regelmäßige Aufräumen des Lager- und Vorratsraums wirkt gegen Lebensmittelverschwendung. Die Produkte können so rechtzeitig in den Kochtopf wandern anstatt in den Müll.

Planen Sie einmal im Monat eine Durchsicht der Vorratsräume ein und sortieren Sie die Lebensmittelvorräte in den Regalen um. Stellen Sie Produkte mit längerem Mindesthaltbarkeitsdatum weiter nach hinten und räumen Sie die ältere Ware griffbereit nach vorne, damit diese zuerst aufgebraucht werden. Angebrochene Packungen wie z.B. Nudeln, Mehl, Zucker in gut schließenden Behältern aufbewahren. So ist Haltbarkeit gegeben und auch ein Schutz vor Lebensmittelschädlingen.

Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und Verbrauchsdatum

Der Vermerk „mindestens haltbar bis …“ gibt an, bis zu welchem Tag, Monat oder Jahr das ungeöffnete und richtig gelagerte Lebensmittel seine spezifischen Eigenschaften wie Geschmack, Geruch, Farbe, Konsistenz und Nährwert behält. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist ein Richtwert.

Waren dürfen nach Ablauf des MHD noch verkauft werden, wenn diese einwandfrei sind und mit deutlichem Hinweis auf das abgelaufene Datum versehen sind. In Österreich gilt: „Ist die Mindesthaltbarkeitsfrist bereits abgelaufen, ist dieser Umstand deutlich und allgemein verständlich kenntlich zu machen.“ Wenn die Packung noch original verschlossen ist aber das MHD kurzzeitig überschritten wurde, sind in den meisten Fällen die Lebensmittel noch genießbar.

Anders ist das beim Verbrauchsdatum, welches auf der Verpackung mit dem Wortlaut „zu verbrauchen bis…“ angegeben ist. Dieses Datum ist für mikrobiell leicht verderbliche Waren wie z.B. Fleisch und Fisch. Ein Lebensmittel, bei dem das Verbrauchsdatum überschritten ist, sollte nicht mehr verzehrt und entsorgt werden, da es zu gesundheitlichen Gefährdungen kommen kann. Produkte mit abgelaufenem Verbrauchsdatum dürfen im Handel nicht mehr verkauft werden.

Unsere Sinne sind die besten Qualitätstester

Wir können mit unserem Sehsinn, Geruchssinn und Geschmackssinn viele Lebensmittel auf deren Genießbarkeit überprüfen. Kosten Sie Lebensmittel, die das Mindesthaltbarkeitsdatum schon überschritten haben. Vor allem wenn die Produkte richtig gelagert und gekühlt wurden, sind diese meist noch länger einwandfrei und geschmacklich gut.

Resteküche: einfach & preiswert

Aus gefundenen Vorräten und Mahlzeitresten entstehen mit etwas Kreativität neue, feine Gerichte. Altes Gebäck kann zu Semmelwürfel für Knödel oder Brösel vermahlen werden. Aus Fleisch- und Wurstresten können Sie Gröstl, Eintöpfe oder Wurstfleckerl zubereiten. Nudeln schmecken als überbackener Auflauf mit Gemüse. Übrige gekochte Erdäpfel können geschickt in einem Aufstrich verarbeitet werden. Topfen- und Joghurtreste ergeben Dipsoßen, Aufstriche und Salatdressings.

Links:

wir-leben-nachhaltig:Gemüselager im Keller
wir-leben-nachhaltig:  Lagerung Kühlschrank
wir-leben-nachhaltig: Die 10 besten Tipps zum Verwerten von Lebensmittelresten
Lebensministerium: Lebensmittel sind kostbar

die NÖ Umweltverbände: www.umweltverbaende.at
Restlkochbuch: Restlkochbuch
ORF: Aktion Muttererde
"die umweltberatung": Resteküche Information
Wiener Tafel: www.wienertafel.at
Sozialmärkte:
www.sozialmarkt.at
www.somanoe.at

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