NÖ wird plastikfit: Einwegplastik–Geschirr vermeiden

Foto: Plastikgeschirr - Mehrweg besser als Einweg, © R. Burger, eNu

Das Land Niederösterreich startet gemeinsam mit den NÖ Umweltverbänden und der Energie- und Umweltagentur NÖ einen Schwerpunkt zum Thema Einweg-Plastikvermeidung. Wir stellen Ihnen monatlich die aktuellen Lösungsansätze zum nachhaltigen Umgang mit Kunstoffen in Niederösterreich, Österreich und der EU vor und geben Ihnen Tipps zu Ihrem Einweg-Plastik freien Alltag.
 
So billig und so bequem, kein Abwasch nötig und es gibt keine Scherben, wenn es mal auf den Boden fällt. Das sind die Hauptargumente, die beim Thema Einweg-Plastikgeschirr angeführt werden. Nach der Kinderparty oder dem Vereinsfest werden dafür die Müllsäcke gefüllt.
Bald muss hier ein radikales Umdenken einsetzen. Denn Einweg-Plastikgeschirr ist eines jener Produkte, die laut EU-Richtlinie verboten werden.

Was hat die EU vor?

Plastikgeschirr (Teller und Schalen) sowie Plastikbesteck (Gabeln, Löffel, Messer und Essstäbchen) gehören zu jenen 10 Produkten, die am häufigsten an Europas Stränden angespült werden. Sie fallen unter die Produkte, die ab 2021 in allen EU-Mitgliedsstaaten verboten werden.
Die großen Handelsketten reagieren bereits auf diese Ankündigung und wollen teilweise schon vor den gesetzlichen Vorgaben ihre Produktpalette umstellen.

Anstieg in den letzten 20 Jahren

Zahlen aus Deutschland zeigen, dass seit Mitte der 1990er Jahre ein steiler Anstieg bei Einweg-Geschirr registriert wird. Der Grund dafür liegt in sozialen, kulturellen sowie technischen Änderungen. Alleine der Kunststoffabfall bei Party- und Picknickbedarf in Privathaushalten hat sich fast verdoppelt (Studie Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung, Deutschland 2018). Einweg-Teller und Besteck wurden modern, obwohl es umweltfreundlichere Mehrwegalternativen gibt.

Alternativen zu Einweg-Geschirr und Besteck

Seinen Alltag ganz ohne Plastik zu gestalten ist fast unmöglich, auf Wegwerfartikel wie Einweggeschirr und Einwegbesteck kann jedoch jeder von uns verzichten. Die Frage ist, ob und welche Alternativen ökologisch besser sind.

Einige Möglichkeiten für Ihre Party bzw. das Picknick:

  • Glas-Porzellan
    Edel, umweltfreundlich und langlebig wertet Geschirr aus diesem Material jede Party und auch ein Picknick im Grünen auf. Für größere Veranstaltungen gibt es in NÖ die Möglichkeit Geschirrmobile zu mieten.

    Für den Picknick- und Campingbedarf gibt es die Alternative Emailgeschirr. Email ist auf Stahl aufgeschmolzenes Glas. Es ist schnitt- und kratzfest, leicht zu reinigen und aromaneutral. In vielen Farben und Muster erhältlich ist es langlebig und im Altmetall recycelbar.
  • Mehrwegkunststoff
    Unzerbrechlich, praktisch und immer wieder zu verwenden ist es die Möglichkeit Kunststoff zu verwenden ohne Müll zu produzieren. Achten Sie auf das Material. PE (Poly-Ethylen) oder PP (Poly-Propylen) kommen ohne bedenkliche Weichmacher aus. Sortenrein gesammelt sind diese Kunststoffe gut recyclingfähig. Achten Sie auf die Kunststoffkennzeichnung.
  • Bio-Kunststoff
    Plastik aus nachwachsenden Rohstoffen und biologisch abbaubar ist eine weitere Möglichkeit. Allerdings kommt es auf das Ausgangsmaterial an. Die Rohstoffe sind kostbar, deshalb gilt auch hier: Mehrweggeschirr vor Einweggeschirr Das Land NÖ. Beteiligt sich seit über einem Jahrzehnt an Forschungsprojekten zu diesem Thema.
  • Papier / Karton
    Plastik einfach durch Papier oder Karton zu ersetzen, ist nicht die Lösung. Die Papier- und Kartonherstellung ist energieintensiv und vermehrte Nachfrage erhöht den Druck auf die Wälder. Achten Sie bei der Verwendung von Papier/ Karton auf Produkte aus Recyclingpapier. Das spart Wasser und Energie gegenüber Frischfaser.
  • Melamin-Geschirr
    Besonders beliebt, da unzerbrechlich und meist bunt eingefärbt sind Melamin-Formaldehydbeschichtete Teller und Schüsseln für Kinder (MF). Dieses Geschirr ist allerdings nicht für Hitze (Mikrowelle) geeignet. Außerdem greifen säurehaltige Lebensmittel die Beschichtung an.
  • „Exoten“ wie Bambus, Palme, Bananenblatt & Co
    Die pflanzlichen Materialien bauen sich ab, dafür sind Herstellung und Transportaufwand nicht unerheblich.

Bei Besteck ist die nachhaltigste Wahl normales Metallbesteck, waschbar, unzerbrechlich und lange zu verwenden. Hier gibt es weitere Varianten aus Mehrweg-Kunststoff oder Holz.
Wie so oft gibt es keine einfache und generell gültige Antwort. Sie müssen bei jeder Gelegenheit die passende Lösung finden.

Tipp:

Plastikgeschirr finden Sie nicht nur bei den Küchenutensilien der Geschäfte. Auch in der Spielzeugabteilung gibt es bunt gefärbte Teller, Schüsseln, Becher und Besteck. Als Spielzeug deklariert sind diese Produkte oft nicht lebensmittelecht. Sie können Farbstoffe, Weichmacher und andere Chemikalien abgeben.

Achten Sie auf das Symbol mit Glas und Gabel. Es kennzeichnet Geschirr und Gegenstände, die für den Kontakt mit Lebensmittel geeignet sind. Allerdings sagt es nichts über die Hitzebeständigkeit aus. Ein Piktogramm mit einer rauchenden Pfanne bzw. der schriftliche Hinweis „Hitzebeständig bis…“ gibt darüber Auskunft.

Beitrag zu plastikarmer NÖ Festkultur

Wussten Sie, dass durch die Initiative Sauberhaften Feste der NÖ Umweltverbände, die seit 10 Jahren unter anderem Mehrwegalternativen anbietet, schon 17 Millionen Plastikbecher und Einweggeschirr eingespart wurden?
Die Initiative "Sauberhafte Feste" sichert die richtige Mülltrennung, eine fachgerechte Verwertung der Restmengen vor Ort und bewirbt mit zahlreichen Maßnahmen die einzelnen Veranstaltungen. Zudem werden Mehrweggeschirr und Mehrwegbecher eingesetzt, um die Feste umweltfreundlicher und abfallärmer zu gestalten. In NÖ stehen mehr als 30 Geschirrmobile sowie Leihgeschirrspüler, Mehrweggeschirr und -becher und weitere privaten und kommunalen Veranstaltern zur Verfügung.

Links:

EU: EU-Plastikstrategie
Wir-leben-nachhaltig: Kunststoffkennzeichnung
Umweltverbände: Sauberhafte Feste

 

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