Nachhaltiger Tourismus – der soziale Aspekt

Foto: Touristen, © R. Gottwald-Hofer, eNu

Der Tourismus ist einer der weltweit am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige. Er stellt für viele Länder, ob in Europa oder Übersee eine wichtige Einnahmequelle dar.

Ist von nachhaltigem Tourismus die Rede, fällt den meisten spontan die CO2 Problematik des Verreisens ein. Klimaneutrales Reisen liegt im Trend. UrlauberInnen können die von ihnen verursachten Emissionen durch einen finanziellen Beitrag ausgleichen.

Was noch nicht so im Bewusstsein verankert ist, im modernen Tourismusbetrieb aber eine große Rolle spielt, ist der soziale Aspekt. Die Effekte des Massentourismus betreffen nicht nur die strapazierten Küsten, Städte oder Naturregionen sondern auch die Menschen, die dort wohnen oder in diesem Sektor arbeiten. Neben der Ökologie und der Ökonomie ist die soziale Nachhaltigkeit eine der drei Säulen im Konzept der Nachhaltigkeit. Hier geht es um die Menschen und die Sicherung ihrer Grundbedürfnisse und Lebensgrundlagen.

Nicht nur den Weg bedenken

Es geht nicht nur darum, wie wir unsere Urlaubsorte erreichen, sondern auch wie wir die Zeit dort verbringen. Geht die Reise in ferne Länder, besteht die Chance, die Lebensqualität der Menschen und der Umwelt in den besuchten Ländern zu verbessern. Tourismus schafft Arbeitsplätze und stellt für die lokale Bevölkerung und wirtschaftlich benachteiligte Regionen eine wichtige Einnahmequelle dar.

Reisende benötigen Unterkünfte, Essen, lokale Transportmittel, FremdenführerInnen und viele andere Dienstleistungen. So kann sich vor Ort ein bescheidener Wohlstand entwickeln, es werden Regionen wirtschaftlich gestärkt und die örtliche Infrastruktur ausgebaut.

Ein Thema der Zukunft

Die soziale Dimension im Tourismus wird in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen. Weltweit arbeitet eine von elf Person im Tourismus. In diesem Berufsfeld sind doppelt so viele Frauen wie Männer beschäftigt und gerade in Schwellen- und Entwicklungsländern sorgen diese Einkommen für die Versorgung breiter Bevölkerungsschichten.

Regionale Unterschiede, gleiches Ziel

Existenzsicherung durch gerechte Entlohnung, Chancengleichheit und Partizipation sind die Schwerpunkte, die es zu beachten gilt. Diese stellen sich je nach Region unterschiedlich dar.
In den Ländern des globalen Südens heißt das z.B. Respekt vor der lokalen Bevölkerung und Offenheit gegenüber der Kultur und den Gebräuchen. Für die Beschäftigten in den Hotels, Restaurants und zuliefernden Betrieben geht es um gute Arbeitsbedingungen, gerechten Lohn und soziale Absicherung. Damit hängt auch die Qualität des Angebots für die Gäste zusammen. Gut qualifiziertes und motiviertes Personal bedeutet hohen Standard auch für die Gäste.

In entwickelten Ländern zeigt sich dieser soziale Aspekt bei Unternehmen in ihrer Personalpolitik. Die Themen hier sind Einstellung und Umgang mit älteren MitarbeiterInnen, Eingliederung von sozial benachteiligten Gruppen (Langzeitarbeitslose, Menschen mit Behinderung, …), Chancengleichheit für Mann und Frau, familiengerechte Arbeitszeitmodelle, Weiterbildungsmöglichkeiten und natürlich die Entlohnungspraxis.

Urlaub mit sozialem Mehrwert

Die Zahl der Betriebe, die diesen sozialen Mehrwert für Gäste bieten, wächst. Es gibt im gesamten Bundesgebiet Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe, die Menschen mit Beeinträchtigungen oder Langzeitarbeitslosen eine Beschäftigung geben. Einige soziale Einrichtungen haben es sich zur Aufgabe gemacht, betreute Tagesstätte und Arbeitsort für Menschen mit speziellen Bedürfnissen zu sein.

Auch in Niederösterreich sind in fast jeder Region solche Einrichtungen zu finden. Hier wird Betroffenen geholfen, einer Tätigkeit nachzugehen, um sich dadurch nützlich und gebraucht zu fühlen.

  • Langzeitarbeitslosen wird die Chance gegeben, wieder Fuß zu fassen.
  • Suchtkranke Menschen erhalten in ihrem Behandlungsprogramm die Möglichkeit der Rehabilitation und Integration durch Gästebetreuung und Mitarbeit im Hotelbetrieb.
  • Ein Bauernhof mit Gästebetrieb dient gleichzeitig Menschen mit Behinderungen als Tagesstätte und Arbeitsort.
  • Hotels die Menschen mit Migrationshintergrund Arbeit verschaffen.
  • Mit einem Urlaub in einem dieser Beherbergungsbetriebe trägt man aktiv dazu bei, Menschen zu helfen, die sonst keine Chance auf Arbeit hätten. Ziel ist es auch, sie für den freien Arbeitsmarkt zu stärken.

Gütesiegel helfen bei der Orientierung

Achten Sie auf Umweltzeichen und Gütesiegel. Die verschiedenen Siegel setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Das Österreichische Umweltzeichen wird an Beherbergungsbetriebe, Restaurants und Pauschalreiseangebote vergeben. Das EU Eco-Label gibt es für Beherbergungsbetriebe und Campingplätze. Tourcert und Travelife wird Reiseveranstaltern/innen, Reisebüros und Beherbergungsbetrieben verliehen. Eine Übersicht über die verschiedenen Labels gibt Ihnen beispielsweise der Katalog der Naturfreunde International oder die Website „Nachhaltig Reisen“ (siehe Links).

Eine kleine Auswahl an Betrieben und Projekten mit sozialem Mehrwert ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Urlaub am Bauernhof in Unternalb im Weinviertel, ein Projekt der Caritas Wien. Zimmer und Frühstück bei OBENauf wird von Menschen mit Behinderung betrieben. Sie erhalten hier unter Anleitung von Fachkräften einen Arbeitsplatz und Qualifizierung. www.obenauf.cc

Hotel Binder, Upcycling Hotel in Mönichkirchen: Der Hotelbetrieb und die Gästebetreuung sind Aufgabenbereiche, die in das Behandlungsprogramm der zum Verein „Grüner Kreis - Rehabilitation und Integration suchtkranker Menschen“ gehörenden Therapiestation integriert sind.
www.upcyclingbinder.at

Magdas Hotel in Wien: Dort arbeiten Menschen aus 14 Nationen mit den unterschiedlichsten Lebensgeschichten unterstützt von Hotelprofis. Aus der Not mit wenig Budget entstand beim Umbau mit recycelten Möbeln und Einrichtungsgegenständen ein Upcycling-Schwertpunkt und damit eine weitere Besonderheit.
www.magdas-hotel.at

In Magdas Kantine in der Brotfabrik Wien betreiben erfahrene Profis und Menschen auf dem Weg dahin (Arbeitslose, Flüchtlinge, Jugendliche, Quereinsteiger...) ein Social Business mit Herz.
 
Verarbeitet werden regionale, saisonale und naturnahe Produkte zu Speisen, Drinks und anderen Köstlichkeiten.
www.magdas-kantine.at

Das Kräuter-Café - eine Erweiterung der Tagesstätte für Menschen mit Behinderung in Laa an der Thaya - ist Kaffeehaus, Werkstätte und Geschäftslokal in einem.
Neben dem Café-Betrieb übernimmt das Kräuter-Café auch Catering und stellt in den Räumlichkeiten verschiedene Produkte mit Kräutern her.
www.caritas-wien.at/shops-service/restaurants/kraeuter-cafe-laa

Links

wir-leben-nachhaltig.at: 2017 – Jahr des Nachhaltigen Tourismus
wir-leben-nachhaltig.at: Nachhaltiger Urlaub in Öko-Hotels
wir-leben-nachhaltig.at: Kreuzfahrt im Trend
Nachhaltig Reisen: Gütesiegel im Nachhaltigen Tourismus
Naturfreunde: “Wegweiser durch den Labeldschungel im Tourismus“
Informationsdienst Tourismus und Entwicklung: Jahr des Tourismus 2017
Nachhaltig Reisen: 2017-ist-das-jahr-des-nachhaltigen-tourismus-fuer-entwicklung 

Eine kleine Auswahl an Betrieben und Projekten mit sozialem Mehrwert ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
https://www.obenauf.cc/ ein Projekt der Caritas Wien
http://www.upcyclingbinder.at/
https://www.magdas-hotel.at/
https://www.caritas-wien.at/shops-service/restaurants/kraeuter-cafe-laa/
http://www.magdas-kantine.at/

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