Nachhaltige Mode für Baby und Kind

Foto: Secondhand-Kindermode, © readktion 93; oksana Ladobe-stock.com

Schon bei der Geburt eines Kindes bekommen frisch gebackene Eltern Bodys, Strampler, Hauben und vieles mehr geschenkt. Es dauert nicht lange und dann passen diese Sachen nicht mehr. Besonders in den ersten zwei Lebensjahren werden aufgrund des schnellen Wachstums die Textilien nicht oft getragen.

Eine wirklich nachhaltige Variante ist es Baby- und Kinderkleidung im Familien- und Bekanntenkreis auszuborgen, zu verschenken und weiterzugeben. So können die kleinen „Lieblingsstücke“ gleich mehreren Kindern Freude bereiten.  

Second-Hand-Mode – gleich doppelt die bessere Wahl

Die Vorteile von gebrauchten Textilien sind zum einen der günstige Preis und zum anderen eine weitgehende Schadstofffreiheit. Denn durch das häufige Waschen von Kleidung werden Chemikalien-Rückstände ausgewaschen.

Auf Kinderkleiderbazaren und Flohmärkten lassen sich oft gut erhaltene und günstige Baby- und Kindertextilien finden. Gleichzeitig können Sie die Kinderkleidung, die Sie nicht mehr benötigen ebenfalls zum Verkauf anbieten. Nutzen Sie Second Handbörsen oder Geschäfte, denn die Herstellung von Textilien verbraucht viele wertvolle Ressourcen. Das funktioniert auch auf Online-Plattformen gut. Für Babysachen und Kinderkleider gibt es dazu eine große Auswahl an Mietportalen oder Online-Secondhandläden (Beispiele siehe Linkliste) wo auch Ökomode ausgeliehen werden kann.  

Mehr zum Thema Tauschbörsen und Altkleidung lesen Sie hier:
wir-leben-nachhaltig.at: Online-Tauschbörsen
wir-leben-nachhaltig.at: Altkleidung-Ressourcen schonen

Erstausstattung für Babys – weniger ist mehr

Für Neugeborene brauchen Sie noch keinen Schrank voller Babykleidung. Mit ein paar Textilien haben Sie eine gute Erstausstattung zusammen. Diese Sachen lassen sich auch gut ausborgen:

  • 4-6 Strampler
  • 4-6 Wickelbodys
  • 2-3 P. Baumwollsocken bzw. Wollsocken
  • 1-2 Baumwollhauben bzw. warme Haube
  • 1-2 Jacken bzw. wärmere Wolljacke

Achtung - Chemie in Kleidung

Neben den Rohstoffen wie Baumwolle oder Kunstfasern werden zur Herstellung von Textilien mehr als 8.000 Hilfsmittel und etwa 4.000 Farbstoffe verwendet. Viele dieser Stoffe. haben für die Gesundheit und die Umwelt schädliche Auswirkungen (z.B. Azofarbstoffe, Flammschutzmittel, Insektizide, Bleichmittel uvm). Untersuchungen zeigen immer wieder bedenkliche Rückstände in unserer Kleidung. Neue Kleidungstücke vor dem ersten Tragen daher immer ein bis zweimal gründlich waschen. Das gilt ganz besonders für Baby- und Kinderkleidung.

Ein aktueller Krabbelstrumpfhosen-Test des Magazins ÖKOTEST 2019 zeigt, dass mehr als die Hälfte der getesteten Modelle vom Material und von den verwendeten Farbstoffen empfehlenswert sind. Jedoch wurden in drei Modellen mit Kunststoffnoppen Schadstoffe wie Phtalate als Weichmacher und chlorierte Verbindungen nachgewiesen. Auch Silikon, genauer Siloxan D6, war in drei getesteten Modellen in den Noppen nachweisbar, wobei diese Substanz von der europäischen Chemikalienagentur (ECHA) als „besonders besorgniserregenden Stoff“ gelistet wird, weil sich dieser in der Umwelt anreichert und schwer abbaubar ist.

Wenn möglich, verzichten Sie auf Noppen bei Strumpfhosen und Socken und lassen Sie Ihrem Kind Krabbeln und Gehen am besten barfuß lernen, das schont die Umwelt.

Biologische Rohstoffe und Gütesiegel

Wählen Sie beim Neukauf Kinderkleidung aus biologischen Rohstoffen, die ohne Einsatz von Pestiziden oder gesundheitsschädlichen Chemikalien produziert wurden. Bei Baumwolle oder anderen Naturfasern wie z.B. Leinen, Hanf, Schurwolle, Seide bieten Zertifikate wie „Naturtextil – IVN zertifiziert BEST“ oder „Global Organic Textile Standard (GOTS)“ eine gute Orientierung. Diese stehen für eine umweltfreundliche Herstellung und die Einhaltung sozialer Standards in der Textilproduktion.

Kleidung möglichst lange zu tragen, ist nachhaltig

Damit das gelingt ist sorgsame Pflege, wie z.B. nicht zu häufiges Waschen bei hohen Temperaturen, wichtig. Behandeln Sie lästige Flecken vor dem Waschen mit natürlichen Mitteln z.B. Gallseife bei Grasflecken und Eisflecken, Zitronensäure bei Obstflecken oder Meerschaumpulver für empfindliche Textilien, dann haben Sie und Ihr Nachwuchs lange Freude daran.
Und dann ist doch einmal ein Loch in der Lieblingshose Ihres Kindes? Es zahlt sich aus kleine Löcher wieder zu stopfen. Bei größeren Löchern oder abgenutzten Stellen können Sie Flecken einsetzen oder sogar aufbügeln. So peppen Sie die Lieblingstücke wieder auf.

Tipps zum Waschen und Flecken behandeln finden Sie hier:
wir-leben-nachhaltig.at: Wäsche waschen
wir-leben-nachhaltig.at: Waschmittel
wir-leben-nachhaltig.at: Fleckentfernung

Kinderschuhe – die Qual der Wahl

Bei Kinderschuhen ist es schwierig die passende Wahl zu treffen. Dazu kommt die Frage: Gebrauchte Schuhe oder doch lieber neue Schuhe kaufen?

Ärzte und Orthopäden sind sich einig, dass für Kinder das Barfußgehen das Allerbeste ist, damit sie lernen den Fuß richtig abzurollen und die Muskulatur zu stärken. Generell sollten Kinderschuhe den orthopädischen Anforderungen entsprechen. Greifen Sie zu Modellen mit einem steiferen Fersenlauf. Ist die Sohle zu biegsam, bietet Sie dem Fuß keinen Halt.

Bei Kinderschuhen muss vor allem die Länge passen. Bei den Schuhgrößen stimmen die Nummern oft nicht mit der wahren Größe überein. Probegehen ist bei neuen Schuhen wichtig. Achten Sie auf hochwertige Verarbeitung bei Reißverschlüssen und Nähten. Für mehr Sichtbarkeit im Dunkeln können Sie speziell bei Winterschuhen darauf schauen, dass reflektierendes Material eingearbeitet ist.

Tipp: Fertigen Sie sich eine Schablone vom Kinderfuß an und nehmen Sie diese mit. Dafür einfach die Umrisse eines Fußes auf Karton zeichnen und bei den Zehen einen zusätzlichen Rand von 12-17mm zugeben und ausschneiden. Die Schablone sollte komplett in den Schuh passen.

Blinkies im Trend

Kinderschuhe mit blinkenden Leuchteffekten beim Gehen enthalten in der Sohle eine Batterie bzw. eine Knopfzelle, die separat als Sondermüll entsorgt werden muss. Das geschieht jedoch kaum, wird oft gar nicht bedacht und auch von den Herstellern gibt es kaum Hinweise zur korrekten Entsorgung. Verzichten Sie der Umwelt zuliebe auf solche Schuhe.

wir-leben-nachhaltig.at: Schuhe

Tipps für nachhaltige Kindermode kurz zusammengefasst:

  • Erstausstattung für Neugeborene ausleihen, denn anfangs reichen wenige Kleidungsstücke aus.
  • Kinderkleidung im Verwandten- und Freundeskreis ausleihen, tauschen und weitergeben.
  • Getragene, gute erhaltene Kinderkleidung vom Flohmarkt, Kinderkleiderbazar oder Online-Second Hand Plattformen weiter nutzen.
  • Beim Neukauf auf biologische Rohstoffe und Gütesiegel achten.
  • Natürliche Fasern bevorzugen: Baumwolle und Seide sind ideal für Baby- und Kinderkleidung und Schurwolle hält im Winter warm.
  • Auf Kleidungstücke aus Kunstfasern verzichten.
  • Kleidung schonend waschen, Flecken entfernen, Risse und Löcher wieder nähen, damit diese länger getragen werden kann.
  • Bei Kinderschuhen auf die richtige Größe und eine orthopädische Passform achten, um Fehlstellungen zu vermeiden.

Folgen Sie unserem Jahresschwerpunkt „Nachhaltige Familie“. Wir geben viele Tipps und praktische Ideen, wie Sie Ihren Lebensalltag in der Familie und Ihr Zuhause ein Stück weit nachhaltiger gestalten können - jeden Tag und gemeinsam! Nächstes Monat: Das ökologische Kinderzimmer

Links:

Online- Miet- und Tauschbörsen (Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit):
Räubersachen
Wichtelfee.at
Mamikreisel
Lila Laune Shop
Mamamia Second Händchen
Shpock.com
Flohmarkt.at


wir-leben-nachhaltig.at: Baby und Kinderkleidung
wir-leben-nachhaltig.at: Textilkennzeichnung
Konsument: Kinderschuhe Test 2017
VKI-Test:  Kinderschuhe
ÖKOTEST: Krabbelstrumpfhosen Test
ÖKOTEST: Ratgeber Kinderkleidung