Kreuzfahrt ist im Trend

Foto: Kreuztfahrtschiff, © P. Nemec, eNu

Täglich sind weltweit 500.000 Menschen auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs. Im Winter sind die Schiffe in tropischen Gewässern unterwegs und von Frühling bis Herbst kreuzen sie auch an europäischen Küsten. Bevor Sie eine Reise buchen, fragen Sie nach, was die Anbieter tun, um Umweltauswirkungen gering zu halten.

Der ökologische Fußabdruck einer Reise

Laut deutschem Naturschutzbund (NABU) hinterlässt eine Kreuzfahrt einen 36-mal größeren ökologischen Fußabdruck als eine Urlaubsreise mit der Bahn und immer noch einen 3-mal so großen als eine Flugreise. Dabei ist neben der Dauer der Reise auch die An- und Abreise der Passagiere einzurechnen. Vor allem, wenn diese mit dem Flugzeug erfolgt.
Neben dem CO2 Ausstoß entstehen Abfälle und Abwässer der bis zu 6000 Passagiere und 2000 Besatzungsmitglieder, die marine Ökosysteme schädigen. Jeder Kreuzfahrt-Passagier verursacht pro Tag bis zu 2,5 Kilogramm Speisereste, 1,8 Kilogramm Verpackungsabfall (Plastik, Pappe oder Holz) und etwa ein Kilogramm Glas- und Dosenmüll (Quelle: Tourism Watch). Diese Mengen müssen irgendwie bewältigt werden. Insbesondere der Nährstoffgehalt der Abwässer wirkt sich negativ durch die Überdüngung der Meere, aus. Andere Abfälle haben Auswirkungen auf die Gesundheit von Fischen und anderen Meeresbewohnern.

Problem Luftverschmutzung

Ein einziges Kreuzfahrtschiff stößt so viele Luftschadstoffe aus, wie fünf Millionen PKW. In Häfen müssen mittlerweile alle Schiffe wie auch Fähren, Schlepper und Containerschiffe Kraftstoffe mit reduziertem Schwefelgehalt verwenden. Die Qualität ist dennoch nicht die vom PKW-Diesel. Anders als Autos und Lkws verwenden Schiffe in der Regel keinerlei Abgastechnik, so dass die gesundheitsgefährdenden Luftschadstoffe wie Feinstaub, Dieselruß oder Stickoxide ungefiltert in die Umgebung gelangen.
Schon der Umstieg auf Partikelfilter und schwefelarme Kraftstoffe könnten den Schadstoffausstoß um 90% reduzieren.

Problem Schweröl

Im Moment fahren fast alle Schiffe auf See mit Schweröl. Das ist der günstigste Treibstoff, aber auch der dreckigste. Noch bis ins Jahr 2020 dürfen die Schiffe auf hoher See ganz legal Schweröl verbrennen. Rußpartikelfilter wie bei Diesel-PKW oder LKW sucht man bei Kreuzfahrtschiffen und Containerschiffen vergebens. Damit werden nicht nur Ruß und Feinstaub in die Luft geblasen, sondern auch Stickoxide, Schwefeloxide und Schwermetalle. Ein einziges modernes Kreuzfahrtschiff stößt täglich rund 450 Kilogramm Rußpartikel, 5.250 Kilogramm Stickoxide und 7.500 Kilogramm Schwefeldioxide aus (Quelle: NABU). Neben der Luftverschmutzung verursacht das Schweröl im Fall einer Havarie auch gewaltige Verschmutzungen des Meeres.

Was viele Reisende nicht bedenken ist, dass sie diese Schadstoffe je nach Wind auf Deck einatmen. In den Kabinen filtern die Klimaanlagen die Luft, benötigen aber dafür viel Energie. Auch die Anwohner in den Hafenstädten atmen diese Abgase ein. Alternative Treibstoffe wären Schiffsdiesel und zunehmend auch Flüssiggas.

Problem Wasser und Energieverbrauch

Ein großes Kreuzfahrtschiff benötigt täglich ca. 2.100 m3 Frischwasser. Das kann nur zum Teil aus Meerwasser oder Abwasser gewonnen werden. Der Energiebedarf an Bord wird mittels Generatoren gewährleistet. Der Strombedarf an Bord entspricht dem einer kleinen Stadt an Land. Einige Reedereien setzen immerhin schon auf sparsame LED-Beleuchtung. Auch durch strömungsoptimierte Rümpfe mit speziellen Anstrichen sollen Verbrauch und Schadstoffausstoß verringert werden.

Energieverbrauch auch im Hafen

Ein Schiff macht auch im Hafen nicht die Maschinen aus, denn die Energieversorgung an Bord muss sichergestellt werden. Die Häfen sind bis jetzt kaum ausgerüstet, weil Landstrom von Reedereien noch nicht nachgefragt wurde. Ein Vorhaben vom Hamburger Hafen ist z.B. eine landseitige Infrastruktur zur Stromversorgung der Schiffe zu installieren. Damit könnten die Schiffsmotoren wenigstens für die Liegezeit im Hafen abgeschaltet werden.

Fortschritte der Kreuzfahrtindustrie

Kreuzfahrtschiffe sind nur ein kleiner Teil der weltweiten Hochsee-Flotte. Aber gerade sie müssen mit gutem Beispiel vorangehen, denn sie ankern mitten in Hafenstädten und befahren hochsensible Naturräume in den Meeren. Diese unberührte Natur ist das Kapital der Unternehmen und sollte daher besonders geschützt werden.
Dieses Bewusstsein setzt sich langsam durch. Der deutsche Naturschutzbund NABU erstellt alljährlich eine Bewertung der führenden Reiseanbieter für Kreuzfahrten nach Umweltauswirkungen. Darin werden verwendete Treibstoffe, Abgastechniken sowie andere schadstoffreduzierende Maßnahmen bewertet. NABU Kreuzfahrtranking

Es gibt technische Lösungen, um die Schadstoffbelastung durch Schiffe deutlich zu reduzieren. Ziel muss sein, diese Technologien flächendeckend bei allen neuen Schiffen einzusetzen. Einzelne Anbieter wollen die nächste Generation an Kreuzfahrtschiffen mit Filtern und Abgastechnologie ausrüsten.

Fragen Sie bei der nächsten Buchung genauer nach und machen Sie deutlich, dass Ihnen die Umweltauswirkungen Ihrer Reise nicht egal sind.

Links:

wir-leben-nachhaltig.at: 2017 - Jahr des Tourismus
NABU: Kreuzfahrtranking 2016
NABU: Luftverschmutzung durch Schiffe
Tourism-watch.de: Kreuzfahrten und Ökologie
Cruisejunkie.com: Umweltauswirkungen Schifffahrt

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