Klimawandel und Gesundheit

Foto: Schneuzendes Mädchen, © galitskaya – Fotolia.com

Der Zeitraum von April bis September 2018 war laut ZAMG das wärmste Sommerhalbjahr der 251-jährigen Messgeschichte. Das ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Erderwärmung zunimmt. Die Folgen zeigen sich in den unterschiedlichsten Bereichen. PollenallergikerInnen spüren den Klimawandel bereits am eigenen Leib: Triefende Nase, tränende Augen, Juckreiz und Husten beginnen immer früher im Jahr und enden später. Dazu kommen neue allergieauslösende Pflanzenarten –  sogenannte Neophyten – die bei uns heimisch werden.

Risikofaktor Klimaerwärmung

Die Klimakrise entwickelt sich zusehends zu einer Gesundheitskrise mit gesellschaftlichen Folgen. Nach dem Sachstandsbericht vom Austrian Panel on Climate Change (APCC) 2014, folgte Ende 2018 der erste Special Report „Gesundheit, Demographie und Klimawandel“. Dieser zeigt, dass eine Zusammenarbeit von KlimaforscherInnen mit dem Gesundheitssektor unabdingbar ist, um die Folgen der Klimaerwärmung abzuschwächen. Hitze, Allergien, Extremwetterereignisse und invasive (Insekten-)Arten sind die kommenden Herausforderungen.
Umweltbundesamt: Klimawandelfolgen – Gesundheit

Trends und Entwicklungen

Laut AGES starben 2017 mehr Menschen an den Folgen der Hitze als im Straßenverkehr. Vor allem im dicht verbauten Gebiet sind Hitze und Lärm sowie Luftschadstoffe ein großes Problem. Die steigende Zahl an Tropennächten (Tagesminimum bei über 20°C) und Hitzetagen (Temperaturmaximum über 30°C), trifft künftig auf eine ältere Gesellschaft und führt zu erhöhten gesundheitlichen Risiken. Subtropische und tropische Stechmücken-Arten, die Krankheiten übertragen können, finden auch bei uns bessere Lebensbedingungen vor. Extremwetterereignisse wie starke Niederschläge, andauernde Trockenheit, Dürre, heftige Stürme oder Hochwasser führen zu Ernteausfällen oder wirken sich auf die heimische Wasserqualität und –verfügbarkeit aus.

Beispiel Pollenallergie

Höhere CO2- Konzentrationen und die damit verbundenen steigenden Temperaturen beeinflussen das Pflanzenwachstum. Studien zeigen, dass sich die Wachstumsperiode verlängert. Austrieb und Blüte beginnen früher, daher startet auch die Pollensaison früher. So fängt nach warmen Wintern der Pollenflug der Hasel bereits im Jänner an – deutlich früher als noch vor rund 25 Jahren. Auch die Pollenanzahl steigt. Verstärkte Photosynthese führt zum sogenannten CO2-Düngeeffekt. So kam es bei der häufig allergieauslösenden Birke zu einer Verlängerung der Pollensaison plus einer Zunahme der Gesamtzahl an Pollen.

Österreichweit leidet bereits jetzt rund ein Drittel der Bevölkerung unter Allergien. Besonders häufig ist der sogenannte „Heuschnupfen“, eine allergische Reaktion auf Pflanzenpollen. Meist handelt es sich dabei um die Pollen von Windbestäubern wie Hasel, Birke oder diversen Gräsern. Die Betroffenen zeigen Symptome wie häufiges Niesen, Juckreiz und Bindehautentzündungen, tränende Augen, vermehrte Müdigkeit bis hin zu Atemproblemen. Die Anzahl der AllergikerInnen, die heftige Abwehrreaktionen des eigenen Immunsystems auf diverse Pollen zeigen, hat seit den 1990er Jahren deutlich zugenommen. Mit den Allergien steigen auch die Ausgaben im Gesundheitswesen für Therapiekosten.

Hochallergenes Ragweed

Pflanzen, die bisher nicht in Österreich heimisch waren, finden durch die Klimaänderung auch hier optimale Wachstumsbedingungen vor. Teilweise mit Absicht gepflanzt (Zierpflanzen im Garten) oder durch weltweiten Handel unbeabsichtigt eingeschleppt, beeinflussen Neophyten die heimische Flora und unsere Gesundheit. Ein Beispiel dafür ist das beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia), auch Ragweed genannt. Die Pflanze kommt ursprünglich aus den USA und zählt zu den am stärksten allergieauslösenden Pflanzen weltweit. Die Pflanze wächst bevorzugt an Straßenrändern und in Gärten, keimt im Frühling und blüht zwischen Anfang August und Ende September.

Hitzetage und Luftverschmutzung erhöhen Belastung

Reizgase wie Ozon, Stickstoff- oder Schwefeldioxid wirken auf den menschlichen Körper. Sie schädigen das Schleimhautgewebe in den Atemwegen und machen es so anfälliger für eintretende Allergene. Dadurch reagiert das Immunsystem heftiger. Das Reizgas Ozon bewirkt beispielsweise durch chemische Reaktion eine erhöhte Aggressivität der Pollen. Durch viele Hitzetage nimmt die Ozonbelastung zu und führt so ebenfalls zu stärkeren allergischen Reaktionen.  

Gesünder leben durch Klimaschutz

Klimaschutz und Gesundheit gehören zusammen. Die Zunahme von Allergien durch den Klimawandel ist nur ein Signal dafür, dass es dringend an der Zeit ist, das eigene Verhalten zu überdenken: Jede und jeder Einzelne kann einen Beitrag zum Klimaschutz leisten!

Tipps für AllergikerInnen:

  • Installieren Sie eine Pollenwarn-App am Smartphone.
  • Nutzen Sie Pollenwarndienste vor einem Aufenthalt oder Sport im Freien. Berge und Küsten zeichnen sich durch geringeren Pollenflug aus.
  • Spazieren Sie nicht direkt durch blühende Wiesen und vermeiden Sie allergieauslösende Pflanzen im eigenen Garten.
  • Pollenschutzgitter am Schlafzimmerfenster und Pollenfilter im Auto können helfen.
  • Waschen Sie regelmäßig Kleidung und Haare, um die Pollen zuhause und im Bett nicht zu verteilen.

Quellen und Links:

Klima- und Energiefonds: APCC Special Report Gesundheit, Demographie und Klimawandel
Österreichisches Umweltbundesamt: Klimawandelanpassung
Österreichischer Pollenwarndienst: www.pollenwarndienst.at
Allergieinformationsdienst Deutschland: www.allergieinformationsdienst.de
The Lancet: Report zu Gesundheit und Klimawandel
Robert Koch Institut: Klimawandel und Gesundheit – Handlungsempfehlungen
AGES: Hitzemonitoring
Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.
 

 

Zurück zur Übersicht