Hygiene und Desinfektion

Foto: WC reinigen, © G. Moser

Sauberkeit ist wichtig, um gesund zu bleiben. Wir meinen es dabei oft zu gut und das bringt Nachteile für uns selbst und die Umwelt. Im Haushalt sind Desinfektionsmaßnahmen und -mittel unnötig. Sie eignen sich nicht zur Wohnraumreinigung oder zur Krankheitsvorbeugung.  
Hygiene ist nicht gleichzusetzen mit Desinfektion. Hygiene ist die „Lehre von der Verhütung von Krankheiten und der Erhaltung, Förderung und Festigung der Gesundheit“.
Desinfektion dagegen bedeutet Vernichtung von Krankheitserregern, Entkeimung und Entseuchung. Produkte mit der Aufschrift „antibakteriell“, „bakterizid“, „reinigt und desinfiziert“ enthalten Desinfektionswirkstoffe.

Sorgen um die Gesundheit und Ängste vor Krankheiten

Wir fühlen uns in sauberer Umgebung wohl und wollen uns vor Krankheiten bewahren. Deshalb putzen wir und sorgen uns um die richtige Hygiene. Auch durch Werbung wird suggeriert, dass wir unsere Küchen, WCs und Bäder „hygienisch rein“ und keimfrei halten sollen. Die Verwendung von Desinfektionsmitteln im Haushalt stellt allerdings ein nicht zu unterschätzendes, gesundheitliches Risiko dar. Die Mittel sind im Gebrauch nicht unbedenklich und können u.a. Haut- und Atemwegsreizungen auslösen.

Mehr Schaden als Nutzen

Ein Desinfektionsmittel beziehungsweise Reinigungsmittel mit antibakteriellem Zusatz stellt eine zusätzliche Vergiftungsgefahr für Kinder dar. Antibakterielle Reinigungsmittel können die natürliche Haut Flora stören, Allergien und Ekzeme auslösen. Bei manchen Substanzen, speziell bei Triclosan (z.B. in  manchen Deos, Flüssigseifen, Fuß-Sprays und sogar Zahnpasta)  ist zudem die Gefahr der Resistenzbildung gegeben. Gegen resistente Keime sind auch Antibiotika unwirksam. Die häufige Verwendung von Desinfektionsmitteln erhöht zudem das Asthmarisiko von Kindern.

Die Stiftung Warentest hat schon 2005 darauf hingewiesen, dass Putzmittel mit anti-bakteriellen Wirkstoffen Infekte nicht verhindern können. Eine Langzeitstudie aus den USA zeigte, dass in Haushalten, in denen Desinfektionsmittel verwendet wurden, die Bewohner genauso an Husten, Schnupfen oder Heiserkeit erkrankten, wie in Haushalten, die „normale“ Putzmittel verwendeten.

Wenn Sie sogenannte "Hygiene-Reiniger", die Natriumhypochlorit enthalten, verwenden und danach saure Reiniger (Essigreiniger, Bad- oder WC-Reiniger), kann es zur Bildung von gefährlichem Chlorgas kommen.

Falsche Anwendung und Umweltgefahren

Für richtige Desinfektionsmaßnahmen ist viel fachkundiges Wissen nötig. Bei der Anwendung in Privathaushalten reichen die vorgegebene Konzentration und Einwirkdauer unter Umständen für eine effektive Desinfektion nicht aus. Zugleich wiegen wir uns in falscher Sicherheit und „normale“ Hygienemaßnahmen werden vernachlässigt!  
Besondere Vorsicht ist bei Hygiene-Sprays geboten: Spraydosen verteilen Tröpfchen so fein, dass diese über die Schleimhäute in die Atemwege gelangen können. Tröpfchengrößen von fünf Mikrometer sind sogar "lungengängig", das heißt sie dringen bis zu den Lungenbläschen vor.
Desinfektionsmittel belasten die Umwelt. Wenn die Mittel nach dem Gebrauch ins Abwasser gelangen, können sie  die Leistung von Kläranlagen verringern.  

Normales Putzen genügt

In vielen Hygiene-Reinigern ist die Wirksamkeit der eingesetzten Zusätze kaum nachgewiesen.  Wichtig ist auf Sauberkeit im Haushalt zu achten und diese erreichen Sie am besten mit regelmäßigem Putzen. Dabei können Sie der Umwelt zuliebe ökologisch  verträgliche Mittel verwenden.
Vermeiden Sie es, Keime unbeabsichtigt von einer Oberfläche auf die Andere zu übertragen. Denn diese Kreuzkontamination ist die häufigste Ursache für mikrobielle Verunreinigungen. Verwenden Sie für Bad, WC, Küchenflächen und Böden jeweils ein eigenes Wischtuch.

Hygiene im Haushalt

In der Küche sollten Sie rohes Fleisch und Eier nicht mit Salat und Gemüse gemeinsam verarbeiten. Nach dem Kochen die Arbeitsflächen und Werkzeuge gut abwaschen sowie Holzbretter heiß abspülen und bürsten. Tücher und Schwämme nach Gebrauch gut trocknen. Spätestens dann waschen bzw. entsorgen, wenn sie anfangen unangenehm zu riechen. Reinigen Sie den Kühlschrank regelmäßig und achten Sie darauf, dass nichts Verdorbenes darin liegt.

Im Bad sollten Sie Handtücher regelmäßig wechseln und bei mindestens 60 °C waschen. Damit werden Bakterien abgetötet. Um üble Gerüche und Bakterienrasen im Dichtungsfalz oder der Einspülklappe der Waschmaschine  zu vermeiden, lassen Sie diese nach Waschgängen gut austrocknen bzw. wischen diese mit einem Tuch trocken. Verzichten Sie beim Waschen auf unnötige Hygienespüler.

Beste Vorbeugung: Regelmäßig Händewaschen

Es sollte selbstverständlich sein sich die Hände regelmäßig mit Seife zu waschen. Vor allem wenn man nach Hause kommt, nach der Toilette oder dem Nase putzen und bevor man Lebensmittel verarbeitet. Untersuchungen zeigen, dass die meisten Keime über die Hände übertragen werden. Diese simple Hygienemaßnahme ist hoch wirksam und schützt unsere Gesundheit.   

Wie geht „richtiges“ Händewaschen?

Hände unter fließendem Wasser anfeuchten und einseifen. Die Temperatur sollte angenehm und nicht zu heiß sein.

  • Handflächen aneinander reiben und Seife gut verteilen
  • mit der Handfläche den anderen Handrücken abreiben
  • Hände verschränken, um die Fingerzwischenräume zu erreichen
  • Daumen und Fingerspitzen in der gegenüberliegenden Handfläche reiben
  • Fingernägel und Handgelenke nicht vergessen

Gründliches Händewaschen dauert mindestens 20 bis 30 Sekunden. Danach Seife abspülen und die Hände gut abtrocknen. Wenn Sie zu trockener Haut neigen, pflegen Sie ihre Haut danach mit einer rückfettenden, feuchtigkeitsspendenden Handcreme.

Mikroorganismen - unsere ständigen Begleiter

Mikroorganismen ist eine Sammelbezeichnung für kleinste Lebewesen. Wir fürchten Viren und Bakterien, weil wir sie nicht sehen und sie uns krankmachen können.In Wirklichkeit sind aber nur wenige Mikroben gefährlich. Wir unterscheiden zwischen “guten”, “schlechten” und “gefährlichen” Bakterien.

“Gute” Mikroben bilden einen Schutzschirm auf unserer Haut und sorgen im Darm für die Verdauung unserer Nahrung. Mikroorganismen werden in der Lebensmittelproduktion eingesetzt und helfen bei der Herstellung von Käse, Joghurt uvm. “Schlechte” Bakterien sind für den Verderb von Lebensmitteln verantwortlich. “Gefährliche” Bakterien lösen Krankheiten aus oder produzieren Gifte, die sehr gefährlich sind (z.B. Clostridium botulinum erzeugt Botulinum, eines der stärksten Gifte überhaupt).

Damit Bakterienzellen sich teilen können, brauchen sie günstige Temperaturen (10°C – 40°C), genügend Feuchtigkeit, einen mittleren pH-Wert und Nährstoffe (Lebensmittelreste, Hautschuppen, Schmutz, ...). Wenn wir diese Faktoren beseitigen bzw. reduzieren  – zum Beispiel durch Putzen – wird den schlechten und gefährlichen Keimen die Lebensgrundlage entzogen.

Wo gibt es die meisten Keime im Haushalt?

Nicht die Toilette, sondern der Kühlschrank (11 Mio./cm2) birgt die meisten Keime. Gleich darauf folgen das Küchenschwämmchen (10 Mio./cm2) und das Geschirrtuch. Da ist das WC mit 100 Keimen pro cm2 nahezu „harmlos“.  

Links

wir-leben-nachhaltig.at: Putz- und Reinigungsmittel

wir-leben-nachhaltig.at: WC reinigen

"die umweltberatung": Infoblatt "Hygiene im Haushalt"

Bundesministerium für Gesundheit: Lebensmittelhygiene im Privathaushalt

Infektionsschutz.de: Hygienetipps für den Haushalt

Umweltzeichen: Allzweckreiniger

Codecheck: Inhaltsstoffe in Kosmetika

Stiftung Warentest: Wann ist Desinfektion nötig?

 

 

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