Einkaufen - Heute und in Zukunft

Foto: Tastatur online shopping, © R. Burger, eNu

War früher die kleine Greisslerei ums Eck ein alltägliches Bild in unseren Gemeinden und Städten, so sind es heute die Einkaufszentren und Shopping--Tempel an den Ortseinfahrten.

Gleichzeitig boomt der Online-Handel. Im Jahr 2018 nutzen rund 60,3 Prozent der ÖsterreicherInnen das Internet zum Online-Einkauf (Quelle: statista.com). Das Marktforschungsinstitut GfK und das Beratungsunternehmen PWC rechnen damit, dass sich die Online-Umsätze bis 2025 verdoppeln werden. Vor allem der Markt für Lebensmittel und Drogerieartikel wird stark wachsen.

Wohin führt der eingeschlagene Weg und wie sieht es beim Online Einkauf mit den Auswirkungen auf Umwelt und Klima aus?

Umweltauswirkungen des Online-Handels

Bereits im Jahr 2013 hat sich das deutsche Ökologie-Institut die Umweltauswirkungen am Beispiel der Bekleidungsindustrie angesehen. Fazit: Jeder Versand verursacht so viele Treibhausgase wie eine Autofahrt von drei Kilometern.
Erschreckend sind die vielen Retoursendungen. Mindestens jedes zweite Paket geht beim Online-Einkauf zurück. Diese zusätzlichen Wege verschlechtern die Ökobilanz. Laut einer Studie der Universität Newcastle rechnet sich ökologisch ein Online-Einkauf nur dann, wenn man ansonsten über 50 Kilometer mit dem Auto fahren müsste oder mindestens 25 Produkte gleichzeitig bestellt.

Bei Expresslieferungen steigen die CO2-Emissionen noch weiter. Grund dafür sind nicht ausgelastete Fahrzeuge. Wenn Sie daher Waren online bestellen, wählen Sie besser den Standard-Versand. Der große Vorteil ist hier die bessere Auslastung der Lieferfahrzeuge.

Fast ein Viertel der Zustellungen klappt beim ersten Mal nicht. Kundinnen und Kunden sind bei der Zustellung nicht zu Hause, oft müssen sie ihre Pakete schlussendlich auch noch selbst abholen. Dadurch entstehen zusätzliche Wege und Emissionen.

Wussten Sie, dass …

retournierte Neuware von Online-Einkäufen teilweise bewusst vernichtet wird? Für den Händler ist es manchmal preiswerter zurückgeschickte Produkte zu entsorgen, als noch einmal auf Funktionsfähigkeit zu prüfen und neu zu verpacken. Manche Händler verkaufen Retourware auch verbilligt an andere Händler weiter.

(Zu) Gut Verpackt

Online-Anbieter arbeiten meist mit ressourcenfressenden Einwegsystemen. Oft werden günstige Standardgrößen benutzt, die bei viel Freiraum mit zusätzlichem Material aufgefüllt werden. Dabei lassen sich durch das Verringern der Paketvolumen um 1,5 Liter circa 500 LKW Fahrten einsparen.
Mehrweg-Behälter für den Versand wären eine Lösung. Jedoch sind sie erst vereinzelt im Einsatz. Durch das starke Wachstum beim Lebensmittelversand kommt es sogar zu zusätzlichen Verpackungen. Verderbliche Güter benötigen Kühlakkus, Isoliermaterial u.v.m.

Offline versus Online

Manche Menschen sehen den Einkauf als Erlebnis für und mit der ganzen Familie, für andere ist es eine zeitraubende Notwendigkeit. Einkaufen bequem von der Couch aus boomt. Nicht nur Bekleidung, Bücher und Elektronikartikel sondern auch Lebensmittel erobern sich den virtuellen Verkaufsraum.

Der Lebensmitteleinkauf mit bequemer Lieferung nach Hause, kann mobilitätseingeschränkten Personen oder gestressten Berufstätigen einen wichtigen Dienst erweisen. Doch auch wer seine Lebensmittel über das Internet erwirbt, muss sich Zeitfenster freihalten, damit die Lieferung zugestellt werden kann. Praktisch ist es, wenn man seine schweren Einkäufe nicht nach Hause schleppen und sich auch nicht in die Warteschlange an der Kasse reihen muss. Zeitlich gänzlich unabhängig ist man aber aufgrund der Zustellung trotzdem nicht.

Die positiven Seiten der Digitalisierung

Praktische Handy-Apps informieren über Inhaltsstoffe (z.B. ToxFox oder CodeCheck) und erleichtern so die Suche nach unbedenklichen und umweltverträglichen Produkten. Schon vor dem Kauf können wir uns über Vor- und Nachteile, Bewertungen und Erfahrungen informieren. Webseiten wie Willhaben, Sogutwieneu oder die App shpock tragen dazu bei, dass Gebrauchtes und Second Hand-Ware unkompliziert den Besitzer/die Besitzerin wechselt.

Tipps, wie man die Ökobilanz beim Online-Einkauf verbessern kann:

  • Kaufen Sie nur die Dinge online, die Sie nicht im lokalen Geschäft erhalten. Mit dem regionalen Einkauf  stärken Sie die regionale Wirtschaft.
  • Vermeiden Sie Einzelbestellungen und planen Sie Ihren Online-Einkauf. Bei einzeln bestellten oder einzeln zurückgesendeten Waren ist die Umweltbilanz am schlechtesten.
  • Wählen Sie für Ihren Online-Einkauf als bevorzugte Zustellvariante "Standard" oder "Normal". "Express- oder Prime-Dienste" führen zu zusätzlichen Belastungen für die Umwelt.
  • Auch ihr lokaler Händler kann Waren (z.B. Bücher oder Ähnliches) für Sie bestellen. So stärken Sie das Geschäft im Ort und vermeiden internationale Großzusteller.
  • Erkundigen Sie sich beim Online-Anbieter nach dem Firmenkodex im Umwelt- und Sozialbereich und meiden Sie Anbieter, die dazu keine oder unklare Angaben machen.

Links und Quellen:

Verbraucherzentrale.de: Onlinehandel
Wiener Umweltanwaltschaft: Studie Onlinehandel – Umweltauswirkungen
Öko-Institut e.V.: Internet of Things und seine Umweltauswirkungen
Boku: Studie 2016
Statistica.com: Anteil der Online-Käufer an der österreichischen Bevölkerung von 2010 bis 2018
Sogutwieneu.at

 

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